Von Sandstürmen, Naturpools und Kulturschocks

Blogbeitrag 11:

Ich bin zurück aus Namibia und die letzten 40 Tage meines Aufenthalts hier in Ruanda sind angebrochen. So schön Namibia auch sein mag: Ich bin super froh, zurück in meiner zweiten Heimat zu sein, in meinem eigenen Bett zu schlafen, in meiner sauberen Wohnung zu leben.

Ich hätte nie gedacht, dass ich den namibischen Boden noch einmal betreten würde. Für mich war es, anders als für meine zwei Mitbewohner Jakob und Pauline, bereits das dritte Mal in diesem schönen Land. Im November äusserte Jakob nebenbei, er hätte “auch mal noch Bock Namibia zu sehen”. Ich war begeistert, Pauline hatte auch Lust und eine Woche später war der Flug gebucht.

Nach einer langen Reise nach Windhuk, die zwei Flüge und einen 7 Stunden kalten, langen, nächtlichen Aufenthalt am Johannesburger Flughafen beinhaltete, sind wir samstagmittags endlich in der ASC-WG in Windhuk angekommen. Dann ging‘s los in die Innenstadt, SIM-Karten und Internet kaufen. Durch Zufall entdeckten wir in einer Mall eine kleine Food Fair. Dort haben wir uns durch die ganzen Probierstaende gearbeitet und die Angebote ausgenutzt. Am Abend habe ich meine vegetarische Ernährung ausnahmsweise ausgesetzt und in dem – bei Touris sehr bekannten – „Joe‘s Beerhouse“ mit den anderen leckeres Wildfleisch gegessen (Oryx, Kudu, Springbok, Zebra und Krokodil (!)).

Am nächsten Morgen ging‘s ins Township Katutura. Dort haben wir ein traditionelles Gericht der Namibier probiert: Kapana (Rindfleisch vom Grill) mit scharfem Gewürz, Tomatensalat, Maisbrei und Brötchen. Gegen Mittag fuhren wir mit dem 7- Sitzer Shuttle los zu unserem Zuhause für die nächsten zwei Wochen: Walvis Bay, einem kleinen Ort an der namibischen Atlantikküste. Dort durften wir netterweise bei den zwei ASC Freiwilligen Romy (mit der ich in Cape Town war) und Fyn schlafen.

Montags startete das typische Programm, das man bei Freiwilligenbesuchen immer macht: Projekte besuchen. Die zwei sind neben ihrer Tätigkeit als Lehrer an einer Schule im Township Kuisebmond auch als Fußball-Coach (Romy) und Rugby-Coach (Fyn) unterwegs. Sie geben fast jeden Nachmittag Training für Kinder aus Kuisebmond. Beim Training war ich in den zwei Wochen jedes Mal dabei und habe unterstützt, mitgemacht und zugeschaut. Es hat jedes Mal wirklich total Spaß gemacht. Romys Fußballmädels muss man einfach liebhaben und auch Fyns Rugby Kinder sind super süß.

Eine große Herausforderung war für Pauline und mich der erste Supermarktbesuch in Walvis Bay. Ich war – nicht übertrieben – die letzten 3 Monate nicht mehr in einem Supermarkt zum Einkaufen. In Ruanda kaufe ich eigentlich alles, was ich brauche, auf der Straße oder in den kleinen Shops am Straßenrand. Auch davor war ich, wenn ich einkaufen war, eben “nur” im Simba Supermarkt in Kigali, der lange nicht so groß und ausladend ist, wie jeder Supermarkt, den ich in Namibia betreten habe. Wir kamen durch die Tür und wurden erstmal von einem riesigen Obst und Gemüse Angebot überwältigt. Weiter gab es mit Milchprodukten, Getränken, Brot, einfach alles.

Hört sich für euch vielleicht etwas komisch an, ich kann‘s auch nicht ganz beschreiben, aber wir waren wirklich überfordert mit dem Einkauf. Das war wohl schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf Deutschland. Nachdem wir den ersten kleinen Schock überwunden hatten, haben wir uns dann doch an dem westlichen Einkaufsangebot bedient und uns richtig was gegönnt, nach unserer Einstellung jedenfalls… Äpfel (für einen normalen Preis), 3kg Orangen, Käse, griechischen Jogurt (!), Birnen und salzige Butter, die zur Abwechslung mal keinen käsigen Nebengeschmack hatte.

Das war zwar toll, wirklich! Aber ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin auch froh, wieder hier einfach in den Gemüseladen gegenüber zu gehen und zu schauen, was da ist und auf den Tisch kommt. Bei der geringeren Auswahl muss man sich nicht richtig entscheiden, es wird quasi für einen entschieden.
Am Mittwoch begannen wir auf einen Roadtrip durch die schöne Landschaft Namibias. Der gemietete Renault Duster (in Deutschland ein Dacia) war bis zum Platzen vollgestopft mit Campingausrüstung, Isomatten, Zelten und unserem sehr klein gehaltenen Gepäck. Unser erstes Ziel war das Namib Naukluft Gebirge, genauer das Naukluft Camp des NWR (Namibian Wildlife Resorts). Es war ein super Gefühl einfach so loszufahren, in die endlose Weite und Ödlandschaft dieses Landes. Romy und ich teilten uns die 5-stündige Fahrt, weil diese Schotterpisten mit ihren Rillen, Schlaglöchern und dem Sand teilweise sehr schwer zu befahren sind.

Angekommen im Camp bauten wir schnell unser Nachtlager auf. Zum Glück hatten wir Wurfzelte, da dauerte es nicht so lange. Dann wurde gebraait (gegrillt) und Salat zubereitet. Nach einem sehr leckeren und qualitativ hochwertigen Mahl legten wir uns gleich in die Zelte, es war ja immerhin schon eine Weile dunkel.

Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem kurzen, aber sehr leckeren Frühstück auch schon auf den Weg zu unserer Tagesbeschäftigung, einem Wandertrail durch die Berge. Der Waterkloof Trail ist ein 17 km langer Trail, über den wir im Internet gelesen hatten, dass er nur für sehr fitte und wandererfahrene Menschen ist. So schlimm wie es klang war’s echt nicht. Wir waren wie immer alle nur in leichten Laufschuhen unterwegs, die letztendlich ganz schön durch das Geröll gelitten haben. Auf dem Weg, den wir auf der Suche nach Wegmarkierungen an einigen Stellen um ein paar Kilometer verlängerten, kamen wir an verschiedenen landschaftlichen Höhepunkten vorbei. Neben den wunderschönen, klaren Naturpools, den Tierkadavern, den felsigen Abgründen und Steilwänden, liefen wir auch einige Kilometer auf Leopardenspuren und kletterten, wieder auf der Suche nach dem Weg irgendwo am Berg herum. Es war wirklich wunderschön, die 17 km fühlten sich kurz an und wir beendeten unseren Hike mit einem Bad in einem der schönen Naturpools (das Wasser des Naukluft Parks wird interessanterweise auch in Flaschen abgefüllt und als Trinkwasser verkauft). Besonders toll war, dass wir die ganze Zeit alleine waren.

Zurück im Camp stiegen wir ins Auto und machten uns auf die 2-stündige Fahrt zu einem der Touri-Höhepunkte Namibias: Sossusvlei, genauer ins Sesriem Camp. Dort im Dunkeln angekommen wurden auch nur noch die Zelte aufgeworfen und ganz fix etwas gekocht. Als wir dann im Zelt lagen und unsere Wecker auf 5:45h stellten, waren wir überrascht, doch noch neun Stunden Schlaf vor uns zu haben. Wenn man kein Licht hat und es schon dunkel wird, bleibt einem eben nichts anderes übrig als schlafen zu gehen. In der Nacht zog ein starker Ostwind auf, der Folgen hatte.

Als wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Sossusvlei machten, war es noch stockdunkel und der Wind hatte sich wider Erwarten noch nicht gelegt. Romy, Jakob und ich kämpfen uns die Düne “Big Daddy” bei einem Sandsturm hoch, das kann man sich nicht vorstellen! Dafür waren wir auch die ersten und einzigen, die diese Strapazen auf sich nahmen J. Danach kam erstmal keiner, der so verrückt war wie wir. Oben angekommen, hatten wir Sand in jeglichen Kleidungs- und Körperritzen, waren verschwitzt, unsere Kohlehydratspeicher waren leer gesaugt. Wir hatten unüberlegterweise am Abend zuvor nach der langen Wanderung nur Gemüse gegessen und am Morgen nicht gefrühstückt und waren dementsprechend etwas kaputt. Hatten aber das berauschende Gefühl, oben auf diesem Sandhaufen zu stehen, kein anderer Mensch in Sichtweite, nur eine Antilopenherde, die in einem der Täler vorbeizog. Nach einer Rast auf der Spitze der Düne, die durch den aggressiven Sandsturm relativ kurz gehalten wurde, rannten wir die riesige Düne geradeaus runter und erreichten binnen weniger Minuten das Deadvlei am Fuß der Düne. Dort trafen wir auf die ersten Touris, die sich die anstrengende Besteigung gespart hatten und mit ihren Spiegelreflexkameras und Teleobjektiven jeden Zentimeter der auf der Salzpfanne stehenden toten Bäume ablichteten.

Was ich da beschreibe mag für manche etwas unklar sein, auf den unten zu sehenden Bildern wird das Ganze – glaube ich – etwas klarer.

Zurück am Auto frühstückten wir erstmal, gönnten uns im Camp noch ein Eis und fuhren dann zurück ins Naukluft Camp um dort einen weiteren Nachmittag in den Naturpools zu verbringen und eine Nacht zu schlafen, bevor es am nächsten Tag zurück an die Küste ging.

Zur Abwechslung konnten wir hier mal das Abendessen bei Helligkeit zubereiten und die letzten Strahlen der Sonne zum Kartenspielen nutzen. Am nächsten Morgen fuhren wir relativ früh los nach Solitaire, wo es angeblich den besten Apfelkuchen in der Wüste gibt. Dort haben wir unser Frühstück gehalten und uns die unglaublich nervigen deutschen Touristen angeschaut, die in Busladungen vorbeikamen, von jedem Sandkorn Bilder machten und ihren Apfelkuchen “To Go” gekauft haben.

Bewertung des Apfelkuchens: Ja, war gut! Kann sich aber in der Benchmark-Liste weit hinter dem meiner Mama und meiner Oma einordnen, die sind um Welten besser!!!

Zurück an der Küste haben wir der wohl deutschesten Stadt außerhalb Deutschlands, Swakopmund, einen Besuch abgestattet und waren im Museum. Außerdem habe ich Peter vom „Cornerstone Guesthouse“ sein iPod-Ladekabel zurückgebracht, das er uns vor zwei Jahren geliehen hatte (mit einem Familienfoto von uns als Bonus). Er war leider nicht da, aber die Frau an der Rezeption sagte „He loves these stories“. Zufällig haben wir auch einen großen Teil der Namibia ASC Freiwilligen getroffen, die den freien, heißen Wintertag am Strand verbracht haben. Der vorher schon erwähnte Ostwind sorgt nämlich dafür, dass die heiße Luft aus der Wüste an die Küste weht und es kommt, im sonst ziemlich kalten namibischen Winter zu sommerlich heißen Temperaturen.

In der restlichen Zeit haben wir einfach die Zeit mit Romy und Fyn genossen, sie in ihre Projekte begleitet und die Küstenstadt erkundet. Am Freitag mussten wir nach Windhuk zurück, um am Samstagmittag unseren Flug nach Kigali zu nehmen. Der Rückflug war trotz unserer Zwischenstopps in Johannesburg und Lusaka einiges angenehmer als die Hinreise.

So, das war’s mit dem letzten Urlaubsbericht. Ich danke euch für’s Lesen und Bilder anschauen.

Bald geht es nach Deutschland zurück, ich freue mich schon wirklich sehr, aber ich glaube es wird super komisch nach einem Jahr wieder zurück zu kommen.

Bis zum nächsten, wahrscheinlich letzten Mal!

Eure Amelie

Bukoba II

Blogbeitrag 10:

Ein paar andere Sachen haben wir in Bukoba außer den Schulbesuchen noch gemacht. An einem Tag sind wir nach Maruku Beach gefahren. Das ist ein Strand am Victoriasee, ganz in der Nähe von Bukoba. Freddy und Linnea sind mit dem Fahrrad 2 Stunden hingefahren. Jakob, Jana und ich mit einem dreirädrigen Gefährt, welches man aus den Bollywoodfilmen als Tuk Tuk kennt und in Tansania Bajaji genannt wird. Auf der Fahrt sind wir durch dichte Kiefernwälder, Steppenlandschaft und eine mit den Almwiesen in Österreich, vergleichbaren Landschaft gefahren. Am Ziel angekommen, war ich mir nicht mehr sicher, ob ich jetzt an einem Strand in Thailand liege oder doch noch in Tansania bin.

Nach einer kurzen Badepause im See und Unterhaltungen über unsere Zukunftspläne und was wir noch so in unserem Leben machen wollen, habe ich mich mit Linnea auf das Fahrrad geschwungen auf den Rückweg gemacht. Das war fantastisch und die 22 km und 1 ¾ Stunden durch die hügelige Landschaft der Kagera Region gingen weitaus schneller rum als gewünscht.

Der zweite Ausflug ging an einen großen, versteckten Wasserfall. Nach einem kurzen Trip mit dem Dalla, ein Stück mit dem Boda und schließlich zu Fuß sind wir an diesem mächtigen Naturschauspiel angekommen. Und ab ins Wasser! Das war ein berauschendes Gefühl da im Wasser zu stehen, der Natur verbunden mit einem grandiosen Ausblick über die Kagera Region. Im Anschluss haben wir etwas unterhalb des Wasserfalls ein Picknick gemacht und sind ein bisschen auf Erkundungstour gegangen. Bei dem Ausflug sind ein paar witzige Bilder entstanden.

Rückblickend kann ich von einer perfekten Woche sprechen! Wir sieben Leute haben uns super verstanden, was in einer so großen Gruppe und verhältnismäßig langen Zeit nicht selbstverständlich ist. Ich habe meine Begeisterung für Basketball in einem zwei gegen zwei Spiel mit Lennard, Paul und Freddy entdeckt und vieles mehr, was ich schon beschrieben habe.

Bukoba ist, verglichen mit Kigali, mit seinen 100.000 Einwohnern sehr viel persönlicher, kleiner und rustikaler. Viele Dinge, die wir hier in Kigali zwar teurer aber dennoch bekommen können, gibt es dort nicht. Dafür bietet es eine beeindruckende und vielfältige Natur mit Plätzen, an denen man Sonnenauf- und -untergang genießen kann, Radfahren und joggen gehen kann. Man finde nach Citrus riechende Bäume und eine Ruhe, die man in Kigali vergebens sucht.

 

 

An dem Tag, an dem ich diesen Blogbeitrag vervollstaendige, bin ich inzwischen fast zehn Monate in Ruanda und habe so viel erlebt, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie Zeit verflogen ist. In den verbleibenden zwei Monaten wird jetzt wahrscheinlich nicht mehr so viel passieren, außer meiner großen Abschlussreise nach Namibia, zu der ich am Ende der Woche aufbrechen werde.

Ich sehe mich schon jetzt hier sitzen, wie ich wehmütig meinen letzten Beitrag aus Ruanda verfasse.

Inzwischen war ich schon das zweite Mal in Bukoba, es war wieder super schön, aber wir haben nicht viele andere Dinge gemacht, ueber die ich berichten koennte. Einfach die Zeit genossen, die Schulen besucht und den täglichen Regen abgewartet.

Meine Familie war Mitte April zu Besuch, wir haben eine tolle Zeit zusammen verbracht, Kigali erkundet und Musanze genossen. Wir haben eine schöne Kirche gefunden, in der ich jetzt jeden Sonntag den 10:00 Uhr Gottesdienst besuche. Außerdem haben mich meine Eltern wieder ermutigt, mehr Dinge alleine zu erkunden, wenn in der WG wieder die Motivation fehlt. Es ist nicht mehr viel Zeit!
Zu diesem Zwecke habe ich eine „Bucket List“ geschrieben, die in den verbleibenden Wochen abgearbeitet werden muss. Es sind inzwischen aber nicht mehr viele Punkte uebrig, ich war fleissig!

Der nächste Beitrag wird von meinem erneuten Besuch in Namibia handeln und höchstwahrscheinlich einer der letzten Texte sein.

 

Bis dahin!
Vielen Dank fürs Lesen und bis bald

Eure Amelie

Weitere Reisen, zu Besuch im wundervollen Bukoba

Bogbeitrag 9:

Da bin ich mal wieder! Heute berichte ich von meinem Besuch in Bukoba/Tansania am Victoriasee, elend langen Busfahrten und vielen lachenden Kindern.

Am Samstag den 23. März habe ich mich mit meinen zwei Mitbewohnern Freddy und Jakob auf den langen Weg nach Bukoba gemacht. Um 4:00h morgens ging es am Busbahnhof Kigali-Nyabugogo los, in einem dieser kleinen Fernbusse, die zu Tausenden täglich durch Ruanda fahren. So früh morgens in einem Bus zu sitzen, dessen Fahrer nicht nur alle 2 Kilometer anhält, um neue Mitreisende einzuladen, sondern auch das Radio laut aufdreht und zu Kirchenmusik mitsingt und beim Anhalten andere Busse zuparkt, welche einen dann anhupen und grausam aus dem Schlaf reißen, ist alles andere als eine angenehme Art zu reisen.

Aber damit nicht genug. In Tansania angekommen mussten wir ein Taxi nehmen, das uns von der Grenze zum nächstgelegenen Busbahnhof in Benaco bringt. Das war verglichen mit der vorausgegangenen und der bevorstehenden Fahrt eine einzige Wohltat (Der Taxifahrer ist durchgefahren, ohne einmal zu halten!) und hat uns zu dritt umgerechnet nur knapp acht Euro gekostet. Den gleichen Preis bezahlten wir nochmal pro Person für die Fahrt im Bus und Dalla Dalla (Minibus) bis nach Bukoba. Der Bus in Tansania war ja mal eine Erfahrung…

Zuerst eine Beschreibung der Strecke. Bukoba liegt etwas nordöstlich von Kigali. Die erste Annahme war also, wir fahren in den Norden, dann über die Grenze und dann ist es nicht mehr weit. Ja blöd, dass der Akagera National Park (Big Five!) uns da einen Strich durch die Rechnung macht, denn der liegt quer zur gedachten Fahrtrichtung.

Von Kigali muss man erst in den Südosten zur tansanischen Grenze in Rusumo fahren, was etwa 5 bis 6 Stunden dauert. Ab dort, wie beschrieben mit dem Taxi zum nächsten Bus, mit dem dann Ewigkeiten, Hoechstgeschwindigkeit von 20 km/h und natürlich – wer hätte es gedacht – total überfüllt, durch zwei Game Reserves bis nach Karagwe und ab dort mit dem Dalla Dalla nach Bukoba. Das beansprucht eine Reisezeit von etwa 12-14 Stunden und viele Nerven.

So reist man hier eben: Nicht besonders reizvoll, aber dafür super, super günstig. Für die Hin- und Rückfahrt habe ich jeweils etwa 14 Euro gezahlt und war umso glücklicher als wir endlich angekommen waren.

In Bukoba wurden wir sofort super freundlich und herzlich von den ASC-Freiwilligen aufgenommen. Ich habe mich sofort wie Zuhause gefühlt. In den 1 ½ Wochen, in denen wir dort waren, haben wir v.a. die Projekte der vier besucht und – so viel es ging – mitgemacht. Besonders beeindruckend und schön war für mich die Schule Mugesa Viziwi, an der Linnea und Paul Sport- und Englischunterricht geben. Das Besondere ist, dass an dieser Schule nur Gehörlose und Hörgeschädigte Kinder unterrichtet werden. Paul und Linnea beherrschen die Gebärdensprache mittlerweile einwandfrei. Ich selber wusste am Anfang nicht, wie ich kommunizieren sollte, hatte ein bisschen Angst, konnte nur meinen Namen buchstabieren und ein Bier bestellen… nicht besonders nützlich.

Aber es ist gar nicht so schwer und die Kinder sind sehr nachsichtig, wenn man etwas mal nicht versteht oder falsch deutet. Es hat mir jedes Mal als wir an der Schule waren solchen Spaß gemacht und ich bin immer mit einem Lächeln auf den Lippen und glücklichen Gedanken auf dem Boda (Motorradtaxi) zurückgefahren.

 

Die anderen beiden Einsatzstellen, an denen Jana und Lennard (die anderen beiden) sind, dürfen natürlich auch nicht zu kurz kommen!

Die zwei sind an einer Schule für Kinder mit körperlicher oder geistiger Behinderung und Kindern mit Albinismus. Warum Kinder mit Albinismus? Hab ich mich am auch gefragt, das sind ja ganz normale Kinder, die einfach nur weiß sind und vielleicht ein wenig schlechtere Augen haben als andere.
Tansania gilt als das Land mit den meisten Albinos weltweit. Knapp 200.000 Menschen leben mit einem Gendefekt, der verhindert, dass ihr Körper Melanin und somit Farbpigmente produziert. Sie sind blass, noch weißer als wir, haben ebenso wie die lokale Bevölkerung kurze krauselige Haare und volle Lippen, aber sie sind nun mal weiß.

In manchen Teilen Ostafrikas entstand vor Jahren der Aberglaube, dass ein Gebräu aus den Knochen, Haaren, der Haut, den Genitalien, Augen oder Ohren zu Reichtum und Glück führe. Aus diesem Grund gibt es immer noch Gruppen, die Albinos jagen um ihre Körperteile an sog. Zauberer und Medizinmänner verkaufen, welche daraus dann Tränke brauen und wiederum teuer verkaufen. Hört sich an wie aus einem Horrorfilm, ist aber leider wahr.

Aus Schutzgründen leben diese weißen Kinder zusammen mit den anderen Kindern und können denen bei ihren täglichen Schwierigkeiten helfen. Die Zustände in dieser Schule sind nicht die besten, umso beeindruckender fand ich es, wie glücklich die Kinder alle sind und wie viel Lebensfreude sie ausstrahlen. Wie sehr sie sich freuen, wenn wir mit ihnen spielen, wenn Lennard und Jana Musik mitbringen und sie dazu tanzen.

Vor meinem Jahr in Ruanda hatte ich immer ein ungutes Gefühl, vielleicht sogar Angst, sobald ich im Kontakt mit Menschen mit Behinderung war. Das ist wie weggeblasen! Vor einem Jahr hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich so mit Behinderten oder auch Gehörlosen interagieren kann. Man wächst mit seinen Erfahrungen!

Die zweite Schule, an der Lennard und Jana sind, ist ein Zentrum für Straßenkinder. Das Ziel der Organisation ist es, die Kinder auf ihr späteres Leben vorzubereiten und im besten Fall wieder in die Familie einzugliedern, die sie weggeben hat.

Ein riesiges Gelände mit vielen Nutztieren, Äckern, Bananenstauden, Mango- und Avocadobäumen, das ein Zuhause für etwa 150-200 ehemalige Straßenkinder bietet. Auch hier wieder total toll, die Freude auf den Gesichtern zu sehen, beim Tanzen, Volleyball- und Fußballspielen. Natürlich ist hier auch nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen. Viele Kinder haben Traumata von ihrer Zeit auf der Straße, manche haben sichtbare und unsichtbare Narben von alten Wunden, die immer auf ihre Vergangenheit verweisen und wahrscheinlich nie verschwinden werden.

Ich habe jedenfalls sehr viel Respekt vor dem, was die vier Freiwilligen dort leisten, wie gut sie Swahili und Gebärdensprache können, wie viel sie den Kindern an Liebe, Spaß und Aufmerksamkeit geben, bin aber auch ein bisschen neidisch auf die Einsatzstellen. Aber das Gras ist ja immer grüner auf der anderen Seite.

 

Damit erstmal genug von meinem ersten Besuch, im folgenden Artikel wird es um die Dinge gehen, die wir neben den Schulbesuchen gemacht haben.

 

Bis bald und herzlichen Dank fürs lesen!

Eure Amelie

Vulkan Mount Muhabura, 4127m ü.n.N

Bolgbeitrag 8:

Schon lange hatten wir uns einen der Vulkane im Virunga Gebirge im Nord-Westen Ruandas vorgenommen. Mit dem Besuch von Freddys Cousine Annika, hatte dann die Stunde geschlagen und wir planten unseren Gewaltmarsch auf den Berg. Annika, die bereits viel Ostafrika-Bergerfahrung hat (sie war auf dem Kilimanjaro in Tansania), überredete und bekräftigt uns den, laut Reiseführer und Internet, schwersten der vier von Ruanda begehbaren Vulkane, zu besteigen. Pauline war zu der Zeit mit ihren Eltern unterwegs und Jakob hatte sich leider verletzt.

Ich habe im Büro nach kurzfristigem Urlaub gefragt und Mittwochmorgens ging es zu dritt (Freddy, Annika, Ich) los in Richtung Musanze. Dort haben wir bei einem anderen deutschen Freiwilligen übernachtet, der uns am nächsten Tag auf den Berg begleitet hat. In Musanze haben wir noch letzte Vorbereitungen getroffen, eingekauft, gepackt und eine große Portion Nudeln gegessen. Am nächsten Morgen ging es um 5:45 Uhr früh los zum Nationalparkzentrum, wo wir neben unseren Guides auch gefühlt weitere 100 weiße Touristen getroffen haben. Alle Gorilla- und Goldschimpansentouren, sowie Wanderungen auf die Vulkane Muhabura (4127m), Gahinga (3474m), Bisoke (3711m) und Karisimbi (4507m), starten ab diesem Treffpunkt. Dort gibt es, was mich besonders begeistert hat, Kaffee, Tee, heiße Schokolade, Fruchtsaft und Wasser umsonst.

Als Freiwilliger nutzt man wirklich alles, was umsonst oder günstiger ist, zu 100% aus. Mein Magen war von dem Kaffee leider nicht so begeistert wie der kleine Schwabe in mir, was aber auch mit dem Salat zusammenhing, den ich einen Tag vorher gegessen hatte. Ich hatte dummerweise das, mir schon sehr oft geratene “never trust a salad in Rwanda” missachtet und habe das zwei Tage lang bereut. Ab jetzt bin ich definitiv um eine Erfahrung reicher, würde aber keinem raten vor einer neunstündigen Bergtour in Ruanda Salat zu essen.

Klartext: In den ersten paar Stunden des Aufstiegs war mir schlecht, ich hatte das Gefühl mich bei jedem Schritt übergeben zu müssen und mein Magen-Darm-Trakt war von der zusätzlichen Belastung auch nicht besonders begeistert und ließ das auch hören. Nach gewisser Zeit, ein paar Globulie und Bananen, stellte sich einigermaßene Ruhe ein und meine vollen Kräfte kamen so langsam zum Einsatz.

Der Aufstieg war hart! Wir starteten auf etwa 2.200 Höhenmetern und hatten damit noch fast 2.000 Höhenmeter aufzusteigen. Es ging hoch wie auf Treppenstufen, die ersten paar Stunden im Regenwald, dann durch Steppe und endlich war die Sicht frei auf die ruandischen und ugandischen Hügel. Dann folgten weitere quälende zwei Stunden über 3.500 Metern, wo die Luft langsam dünn wurde. Die letzten 200 Höhenmeter waren für uns alle ein einziger Kampf, aber das Gefühl oben zu stehen, das erste Mal über 4.000 Metern Höhe, unbeschreiblich! Ein Rauschen, das einen umgibt und das Wissen, dass diese Erfahrung mir von niemandem mehr genommen werden kann, von der Aussicht ganz zu schweigen. Die Aussicht könnt ihr auf den Bildern nachvollziehen, meine Emotionen sind leider weder richtig in Worte zu fassen noch in Bilder.

Nach einer kurzen Pause auf dem Gipfel mussten wir leider auch schon wieder absteigen. Das war auch hart, aber wir hatten es eilig und konnten uns deshalb nur auf die Schnelligkeit und weniger auf die schmerzenden Füße und Muskeln konzentrieren.

Insgesamt waren wir von 6:00 Uhr bis 18:30 Uhr unterwegs, Davon 9 Laufstunden, ca. 2000m Aufstieg (5,5h) und 2000m (3,5h) Abstieg unterwegs.

Viel mehr möchte ich gar nicht schreiben, sondern die Bilder wirken lassen!

Ach, was ich ganz vergessen hatte, wir haben das ganze, entgegen der Hinweise in Laufschuhen gemacht… es ist auch so gut schaffbar!

 

Bis bald

Eure Amelie

Diesmal Uganda: Zwischenseminar in Jinja und Besuch in Kampala

Blogbeitrag 7:

Moin ihr lieben,

Mir geht es weiterhin gut, das kleine Januar/Februar-Emotionstief ist inzwischen doch einigermaßen gut überstanden und ich habe weiteres von Reisen zu berichten.

Aber zuerst muss ich noch eine Sache klarstellen! Ich bin hier nicht nur auf Reisen, sondern meistens Montags bis Freitags von 8:00-17:00 Uhr im Büro. Da passiert aber nicht so viel Spannendes, sodass ich darüber schreiben könnte. Deshalb gibt‘s vor allem Blogberichte von den Reiseerlebnissen.

Am Samstag, den 2. Februar, haben wir uns zu viert auf den Weg nach Jinja, Uganda gemacht. Das bedeutete, um 20:00 Uhr los zum Busbahnhof Nyabugogo und dann erstmal 10 Stunden nicht mehr aus den VIP-Sitzen der Busgesellschaft Modern Coast rühren. Die gesamte Reise hat mich umgerechnet nur 16 Euro gekostet, der Bus war voll und außer uns sind noch zwei amerikanische Muzungus und ca. 20 Ugander und Ruander mitgereist. Angekommen in Kampala haben wir eine kleine Pause eingelegt und sind ein bisschen über den Busbahnhof geschlendert. Dort ist mir schon der erste Unterschied zwischen Uganda und Ruanda aufgefallen. Es ist viel dreckiger und hektischer als in Ruanda. Man sieht viel Müll, vor allem Plastiktüten, was in Ruanda aufgrund des Verbots für Plastiktüten sehr unüblich ist.

Als wir dann weitere zwei Stunden später in Jinja angekommen sind, wussten wir zunächst nicht, was wir tun sollten bzw. wohin wir gehen sollten. Wir hatten ja keine ugandischen SIM-Karten und damit auch kein Internet oder Netzempfang um zu kommunizieren. In einem Internetcafe haben wir dann Kontakt zu Franz (Freiwilliger von Artefakt) aufgebaut, bei dem wir die Tage vor unserem Zwischenseminar wohnen durften. Er hat uns seine Adresse mitgeteilt und wir sind zu ihm gefahren, nachdem wir den Unterschied zwischen Stagebodas, das sind die sicheren und registrierten Motorradtaxis, die man zu jeder Tageszeit nutzen kann, ohne Gefahr zu laufen mit einem betrunkenen Fahrer zu fahren, nicht anzukommen oder gar ausgeraubt zu werden. Die Movingbodas sollte man besser nicht nutzen, die sind nicht registriert und haben sozusagen nichts zu verlieren, sind zusammengefasst gesagt eben unsicherer. Den Unterschied kann man darin ausmachen, dass die Stagebodas an einer Plattform stehen und man dort hingeht und ab dort losfährt, die Movingbodas fahren herum und man kann sie überall zu sich winken und losfahren.

Im Laufe des Tages haben wir zusammen mit Franz Jinja angeschaut und haben eine der Landesspezialitäten, “Rolex” („rolled eggs“; ein Omelette in Chapati gerollt und gefüllt mit Gemüse, Avocado, Fleisch, etc.) gegessen. Später waren wir noch auf dem Markt, der sich, außer seiner Größe, dem riesigen Fleisch- und Secondhandklamottenangebot nur wenig von den Märkten in Kigali unterscheidet. Die Hygiene bei der Fleischlagerung war nach westlichem Ermessen eher grenzwertig, ich fands als Vegetarier echt ekelig. Wenn man um die Ecke läuft und dann liegen da auf einmal  abgetrennte Ziegenköpfe und starren einen mit leeren Augen an oder fünf Meter weiter ein Dünndarm von eben der Zeige, die einen gerade eben angeschaut hat. Aber so ist das hier nun mal, wird ja noch einmal abgekocht.

Die folgenden freien Tage haben wir damit verbracht Jinja anzuschauen, welches aufgrund seiner Nähe zum Nil und zum Viktoriasee sehr touristisch ist. Apropos Nil, da waren wir auch das eine oder andere Mal zum Schwimmen und Rope swingen. Immerhin kann ich jetzt behaupten an der Quelle des längsten Flusses Afrikas bei Sonnenaufgang geschwommen zu sein. Ein sehr schönes Fleckchen Erde! Dafür haben wir sogar die Gefahr Wasserschlagen und Fischen zu begegnen, oder an Bilharziose zu erkranken auf uns genommen. Nilkrokodile gibt es an der Stelle nicht und Schlagen oder sonstigen Wassertieren sind wir auch nicht begenet, den Bilharziosetest werde ich in der kommenden Woche machen und mich gründlich durchchecken lassen.

Wir haben außerdem unsere Jinjafreiwilligen vom ASC besucht und waren bei EWAKA, dem Waisenhaus, das von einer ASC-Freiwilligen, Eva, gegründet wurde und jetzt geleitet wird. Die Erfahrung dort war total klasse! Lucas, der jetzige Freiwillige dort, hat uns mitgenommen, als er mit den Kindern im Nil schwimmen war. Die Kleinen sind unglaublich lieb, total cool drauf und sprechen besser Englisch als die meisten Ruander. Im Anschluss waren wir Freiwilligen im “Nile River Explorers Camp” gemeinsam essen und konnten uns über das vergangene halbe Jahr ausführlich austauschen.

Am 6.02. hat das Zwischenseminar angefangen und wir vier haben uns morgens auf den Weg ins Hotel gemacht. Das Hotel war verhältnismäßig echt gut und sauber, das Essen war auch super. Der Service war etwas langsam, aber das sind wir ja inzwischen schon gewohnt. Auf dem Weg dahin haben wir auch schon Eva, Jonas, Ingo und Flo getroffen und das war total seltsam, nach einem halben Jahr wieder die Leute zu treffen, die einen in Deutschland ausgewählt und für unser Abenteuer in Ostafrika vorbereitet haben. Wir haben uns alle super gefreut! Die Vorfreude auf die kommende Woche wuchs und war spätestens an einem Höhepunkt, als wir den großen Pool der Hotelanlage entdeckten und uns eine “Entspannungspause“ (vom Urlaub…) gönnten.

Während des Seminars haben wir viele Dinge besprochen, die uns Freiwillige bewegt haben und was wir einfach noch loswerden wollten, haben politische und historische Themen der jeweiligen Einsatzländer behandelt,  Themen wie Rassismus, Muzungu Momente, die uns doch alle irgendwie beschaeftigen und viel über den “weltwärts” Freiwilligendienst geredet. Alles das hat mir sehr viele Denkanstöße gegeben und es war einfach toll, sich mit allen austauschen zu können und zu sehen, dass es auch andere Leute mit den selben Problemen und Erlebnissen gibt.

Auch die Zeit, die wir außerhalb des Seminars hatten, wurde viel genutzt um sich auszutauschen und zu diskutieren. Ich glaube so viel habe ich seit langem nicht mehr diskutiert!! Über denn Sinn eines solchen Weltwärtsjahrs, wie wir mit der Kritik am weltwärts Programm umgehen, über die ruandische und tansanische Bevölkerung und ihren Umgang mit Religion und Gott, und, und, und.

Ich glaube, wir waren alle etwas traurig, als das Zwischenseminar dann doch nach 5 Tagen vorbei war. Aber auch voller Vorfreude auf das nächste halbe Jahr in das wir jetzt voller neuer Energie und Ideen starten können.

Meine drei Mitbewohner sind abends schon nach Kigali zurückgereist, während ich mit den Freiwilligen aus Bukoba, Tansania noch ein paar Tage nach Kampala gefahren bin.

Kampala war eine tolle Erfahrung und die zweite ostafrikanische Großstadt, die ich erleben durfte. Total anders als Kigali, hektisch, etwas gefährlicher, dreckig, voller Abgase aber gleichzeitig auch spannend, vielfältig, modern, zum Teil westlich und fortgeschritten. Ich bin doch immer wieder froh in Kigali wohnen zu dürfen, hier hat alles eine schon fast westliche Ordnung, die Kriminaltitätsrate ist viel geringer und verglichen mit Kigali ist Kampala eine einzige Müllhalde. Aber letztendlich hat doch alles seinen Sinn und funktionert.

Wir waren auf dem weltbekannten, riesigen Markt, in der Acacia Mall und der Ugandan National Mosque. Dort habe ich viel über den Islam und über Kampala gelernt. Kampala ist auf sieben Hügeln erbaut und hat seinen Namen aus der Kolonialzeit. Damals campten (KAMP) die Kolonialherren nämlich auf dem Hügel, auf dem besonders viele Impalas (-ALA) lebten, deshalb KAMPALA. Nach und nach wurden die anderen sechs Hügel besiedelt, die heute das Zuhause von 1,6 Millionen Menschen bilden.

Dann ging es auch schon bald mit Ingo und Flo in Richtung Kigali, wo die beiden uns für ein paar Tage besuchten, sich unsere Projekte anschauten, mit unseren Projektmanagern redeten und uns zum Essen einluden. Auch das war eine sehr schöne Zeit und wir waren sehr traurig, als wir die beiden nach Bukoba am Viktoriasee in Tansania weiterziehen lassen mussten.

 

Bis dahin!

Bald mehr von meiner Besteigung des 12. höchsten Berges des afrikanischen Kontinents.

 

Viele liebe Grüße

Eure Amelie

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen!

Blogbeitrag 6:

Endlich mental und körperlich angekommen in Südafrika ging es am Morgen des 28. Dezember schon los mit dem Programm . Wir fuhren nach Woodstock; dort haben wir den Vormittag in der ”old biscuit factory” verbracht, waren dort wieder auf einem Food Market und konnten uns bei dem Essensangebot kaum entscheiden. Wenig später – pünktlich zur Mittagshitze – machten wir uns auf den Weg zu Fuß hoch auf den Tafelberg. Wir starteten in den Kirstenbosch Botanical Gardens und machten uns auf den wirklich sehr langen Weg hoch auf den Gipfel. Uns wurden sechs Stunden für den Aufstieg angekündigt, das hätten wir nie geschafft bevor es dunkel geworden wäre, aber wir dachten uns: Einfach mal loslaufen, mal sehen wie weit wir es schaffen. Mit 3 ½ Stunden hätte jedoch niemand gerechnet!

Oben angekommen haben wir uns eine Kleinigkeit zu Essen gegönnt und den grandiosen Ausblick über Cape Town City, Champs Bay, Muizenberg, bis ans Kap der guten Hoffnung genossen. Dann ging es an den Abstieg, der etwas stressiger verlief, weil wir noch das Auto vom Parkplatz der Botanischen Gärten holen mussten, die um 19:00 schlossen. Auch hier legten wir eine rekordverdächtige Zeit hin, brauchten nur etwa die Hälfte der 1 ½ Stunden, um bei der Talstation der Gondel anzukommen. Mit dem Auto wieder zurück in Muizenberg haben wir nur noch etwas gegessen und sind dann todmüde in unsere Betten gefallen.

 

Am nächsten Morgen ging es dann auch wieder früh los zum Kap der Guten Hoffnung. Alleine der Weg dorthin war schon wunder-, wunderschön! Im Nationalpark selber fuhren wir zunächst ans Kap selbst, schossen unsere Touribilder und sind dann weiter gefahren zum Cape Point Leuchtturm und dann noch mit dem Auto ein paar Stunden durch den Nationalpark. Laufen war an diesem Tag definitiv nicht drin, wir hatten alle heftigen Muskelkater von der Bergbesteigung des Vortags. Nach ein paar weiteren Stunden am Strand ging es wieder in Richtung Muizenberg und wir waren erneut super glücklich, so früh aufgestanden zu sein, als wir den kilometerlangen Stau zum Eingang des Nationalparks entdeckten. Später sind Romy, Colin und ich noch nach Cape Town gefahren. Romy ist in den Gottesdienst der Hillsong Church gegangen (ich bereue sehr, sie nicht begleitet zu haben!). Colin und ich sind an den Bloubergstrand gefahren, haben dort die vielen Kitesurfer bewundert und sind am Strand spazieren gegangen.

Während unserer Gespräche ist ein weiteres Mal aufgefallen, wie wenig alltäglich das ist, was wir da machen. Ein Jahr in Ruanda bzw. Namibia, abseits von allem, was wir gewohnt sind, in einem fremden Land, ohne Eltern, auf uns alleine gestellt. Das ist beim besten Willen nichts Selbstverständliches und die Zahl derer, die so etwas erleben dürfen, ist so gering. Für uns ist das etwas so Natürliches geworden, da wir vor allem mit Leuten Kontakt haben, die auch so etwas machen. Alles das fällt uns an einem Ort wie Cape Town auf. Da ist mir wieder klargeworden, was für ein Privileg ich hier ausleben darf. Dass ich anstatt mich manchmal sehnlichst heim zu wünschen, dankbar sein sollte für das, was mir hier möglich ist.

Jetzt genug der Philosophie!

Am nächsten Tag mussten wir sehr, sehr früh aufstehen: Um 3:15 Uhr morgens. Das hat sich aber ebenfalls gelohnt, als wir knapp 2 Stunden später auf der Spitze des Lion‘s Head, über den glitzernden Lichtern von Kapstadt standen. Den Aufstieg bewältigten wir zusammen mit fast allen anderen ASC-Freiwilligen aus Namibia. Die waren in verschiedenen Gruppen auch nach Cape Town gereist und hatten dieselbe Idee wie wir. Außerdem haben wir noch Kira, eine DRK-Freiwillige auch aus Namibia getroffen, sie hat mit uns den restlichen Tag verbracht und wir haben zusammen Silvester gefeiert. Nachdem alle Fotos geschossen waren und die Sonne aufgegangen war, ging es den Massen entgegen wieder nach unten. Sobald es hell ist, ist der Lion‘s Head nämlich unglaublich überlaufen und es bildeten sich riesige Schlangen für Auf- und Abstieg. Wie überall fängt auch hier der frühe Vogel den Wurm!IMG-20181231-WA0001

Im Anschluss haben wir einen neuen Mitreisenden vom Flughafen abgeholt: David – auch Namibia-Freiwilliger… und sind dann über den Chapman‘s Peak Drive zurück nach Muizenberg gefahren. Am Nachmittag haben wir gewaschen, gepackt und alles für den folgenden Tag vorbereitet. Am Abend haben wir „gebraait“,  gleichzeitig den Tag und das Jahr 2018 in Ruhe ausklingen lassen. Ein Feuerwerk gab es nicht wegen der Waldbrandgefahr in der trockenen Kapregion.

Am nächsten Tag ging es los zum Tsitsikamma National Park, eine lange Fahrt aber auch für diese Strapazen wurden wir belohnt, als wir im Dunkeln bei Dijembes Backpacker Hostel ankamen. Super, super cool dort, ein bisschen hippiemäßig, aber wir haben uns sofort super wohlgefühlt. Erschöpft sind wir in dem Schlafraum in unsere Betten gefallen. Am nächsten Morgen hat es geregnet und ich habe mich das erste Mal seit langem über Regen gefreut. Das war eine angenehme, kühle Abwechslung zu der trockenen Hitze der letzten Tage. Den Tag haben wir einfach nur genossen, und sein bisschen ausgeruht, die Sprüche auf den Wänden des Hostels gelesen und kleine Aktivitäten in der Nähe gemacht.

Am nächsten Morgen haben wir uns für eine Zip Line Tour angemeldet, aber das Geld hätte man sich sparen können! Es war nicht so toll wie erwartet. Danach haben David und Romy den höchsten Bungeejump der Welt gemacht und wir anderen drei hatten Spaß beim Zuschauen und Fotos machen.

Es ging weiter nach Swellendam, wo wir auf der Kwetu Farm gezeltet haben. Den Tag dort haben wir genutzt, um uns Swellendam anzuschauen und ins De Hoop Nature Reserve zu fahren und uns dort an den Strand zu legen. Auch wunderschön – aber dafür sprechen vor allem die Bilder. Am Abend haben wir dann das letzte Mal auf der Farm zusammen „gebraait“ und die ruhige Stimmung und den Sonnenuntergang genossen.

Den Tag darauf ging es zurück nach Kapstadt, wir machten uns früh auf den Weg, da wir Muizenberg noch einen kleinen Besuch abstatten wollten und auch nochmal nach Kapstadt ins Zentrum wollten. Angekommen in Muizenberg fühlte es sich an wie Zuhause zu sein, diese kleine Stadt ist für uns alle in der kurzen Zeit irgendwie heimelig geworden. Im Surfer‘s Corner haben wir dann alle noch Souvenirs gekauft und sind danach zur V&A Waterfront nach Kapstadt gefahren. Auch ein ganz besonderes Erlebnis, in diesen fast schon westlichen Luxus einzutauchen. Der Hafen und die Hafengebäude sind wirklich wunder, wunderschön und definitiv einen Besuch wert.

Angekommen in unserem letzten Airbnb in der Nähe des Flughafens haben die anderen begonnen, ihre Sachen zu packen, weil sie schon sehr früh am nächsten Morgen nach Namibia zurückfliegen mussten. Mein Flug ging erst am Abend und ich hatte den Tag noch Zeit mich zu erholen, meine Sachen zu packen und zum Flughafen zu fahren. In Jo‘burg angekommen hatte ich erneut einige Stunden Aufenthalt, die wieder mit Schlafen gefüllt wurden. Dann die Überraschung: Ein Upgrade in die Business Class von Rwandair. Ich war überglücklich und bin zum ersten Mal in eine VIP Lounge gegangen und durfte auf den breiteren Sitzen im Flugzeug sitzen bzw. schlafen. Sehr angenehm, so macht fliegen Spaß!!!

 

Mein Herz habe ich aber ein wenig länger in Kapstadt gelassen, mal sehen, wann das nachreist!?

 

So das war‘s jetzt aber wirklich von meiner wunderschönen Reise!

Bis bald

Eure Amelie

Von Weihnachten und dem Beginn einer wundersamen Reise in die „Mother City“

Blogbeitrag 5:

Lang ist‘s her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe… gefühlt jedenfalls. Dazwischen war Weihnachten, Silvester und Neujahr und bei mir ist in der Zeit so einiges passiert. Ich versuche mich kurz zu fassen, aber kann natürlich für nichts garantieren :).

Weihnachten:

Weihnachten habe ich in einer sehr großen Gruppe gefeiert. Selbstverständlich mit meiner WG, mit Linus, Letizia und Anna (von Artefakt aus den ländlichen Gegenden Ruandas), Jakob und Franz (auch Artefakt aber aus Jinja/Uganda). Am 24. Dezember haben wir mittags gemeinsam angefangen zu kochen. Es gab Gemüsesticks von Anna, leckeren Zitronenkuchen von Jakob und Franz, Bratäpfel von Letizia, Spätzle, Rahmsoße und Ofengemüse von mir und eine Menge seelische Unterstützung vom Rest. Nach einem langen Kochgang und darauffolgendem gemeinsamen Essen gab es zuerst drei verschiedene Weihnachtsgeschichten. Die Tiere im Wald, Loriot und die richtige aus der Bibel, dann Bescherung. Das war echt unglaublich witzig, alle Geschenke waren sehr durchdacht und überall steckte ein Witz oder eine gemeinsame Erinnerung dahinter.

Am ersten Weihnachtsfeiertag sind wir dann gemeinsam im Hotel “Heaven” frühstücken gegangen, wirklich sehr zu empfehlen, auch für alle Nachfreiwilligen, die was Schönes suchen. Wir haben uns fast alle für das Weihnachtsbrunch entschieden und uns damit für umgerechnet 25 Euro mal richtig was gegoennt. Von Schokocroissants über Omlette bis hin zu leckerem Fisch gab es eigentlich alles. Mein persönlicher Höhepunkt war der Tisch an dem man sich Omlette, Crepes und Pancakes bestellen konnte. Alles wurde frisch für uns zubereitet und zu guter Letzt konnte man sich sein Gericht noch persönlich verzieren.

Am 26. Dezember haben sich dann alle anderen auf die lange und beschwerliche 40-Stunden-Busreise nach Sansibar gemacht. Ich hatte meine Ruhe und durfte mich mit dem vom Fest übrig gebliebenen Abwasch beschäftigen, an den natürlich keiner mehr gedacht hatte. Nach geschlagenen 2 ½ Stunden Abwaschen war ich erstmal total fertig, habe dann aber angefangen, für meine bevorstehende Reise zu packen.

In einem fremden Land ganz alleine zu sein ist wirklich nichts Schönes und in dieser Zeit habe ich viel darüber nachgedacht was ich hier tue, warum ich das mache und das Heimweh hat mich ein weiteres Mal in dieser kurzen Zeit um Weihnachten übermannt. Ich habe sehr viel mit meinen Eltern und meinem Bruder geskyped, um dem entgegenzuwirken und das hat zum Glück auch funktioniert. Sie haben mich davor gerettet total in Angst und Heimweh unterzugehen.

Am 27. Dezember ging es nachmittags voller Vorfreude endlich los zu meiner eigenen Reise. Mit dem Moto und meinen drei Gepäckstücken absolvierte ich zunächst die anstrengendste Motofahrt meines Lebens… absolut nicht zu empfehlen!!! Am Flughafen angelangt, der erste Schock: “you have no ticket”. Was ist denn jetzt los? Nach einem Besuch im Ticketbüro von Rwandair hatte ich dann doch eins, auch in Papierform, damit durfte ich dann das Flughafengebäude betreten.

Hier ist es nämlich so, dass man – schon bevor man in das Gebäude des Flughafens darf – mehrmals durch Sicherheitschecks muss und ein gültiges Flugticket besitzen muss. Bisschen kompliziert und nervig, aber ich glaube, der Flughafen in Kigali ist der sicherste der Welt.

Nach einem Vier-Stunden-Flug war ich dann in Johannesburg angekommen, so viele weiße Menschen wie dort bei der Passkontrolle hatte ich seit fünf Monaten nicht mehr gesehen. In der Empfangshalle wurde dann ein Bett aus allen meinen Gepäckstücken gebaut und ich habe ein paar Stündchen schlafen können. Früh morgens ging es dann weitere zwei Stunden in der Holzklasse nach Cape Town. Dort sollten mich meine Mitreisenden Romy, Colin und Lena (alle ASC-Freiwillige in Namibia) abholen. Aufgrund der Flugverspätung meines Flugs und kleinen „Kommunikationsproblemen“ haben wir uns leider knapp verpasst und ich war wieder alleine unter so vielen Menschen, gestrandet am Flughafen von Cape Town. Nach weiteren Stunden warten, traf ich die Entscheidung, mir ein Taxi zu nehmen und zu unserem Airbnb in Muizenberg (Stadtteil von Kapstadt) zu fahren – die Adresse hatte mir Romy zum Glück vorher geschickt.

Dort angekommen fand ich ein leeres Haus vor! Die anderen waren, wie ich im Nachhinein erfuhr, in Bo-Kaap, einem Viertel mitten in Cape Town. Nach Sturmklingeln beim Airbnb und Fragen der Nachbarn half mir der nette Taxifahrer irgendwie irgendwas zu finden, wo ich auf die anderen waren konnte. Südafrika ist ja bekanntlicherweise nicht das sicherste Pflaster und “Your safety is our highest priority ma’m” (Aussage des Taxifahrers).

Letztendlich bin ich bei den Nachbarn gegenüber untergekommen, die haben mich sofort supernett aufgenommen und ich habe mich fast fünf Stunden mit der Mutter der Familie unterhalten. Sie hat indische Vorfahren, kommt aus Durban und lebt jetzt mit ihrem Freund und ihren zwei Söhnen in Muizenberg. Sie hat mir von Durban, Südafrika und Indien erzählt und ich ihr von Ruanda, Deutschland und unseren Reiseplänen durch Südafrika. Dann hat sie ein sehr leckeres indisches Curry gekocht und ich durfte mitessen. Irgendwann haben wir zusammen die Vermieterin des Airbnb entdeckt. Die kam, um ihre Katzen zu füttern. Von ihr bekam ich dann einen Schlüssel und konnte ab diesem Moment in das Haus um zu duschen, zu schlafen und das wundervolle Haus zu genießen. Zum Abschied habe ich meiner neuen Freundin noch ein Päckchen ruandischen Kaffee geschenkt, weil siemir erzählt hatte, wie gerne sie Kaffee trinkt.

Ein wenig später sind die anderen dann von ihrem Trip nach Cape Town wiedergekommen und wir sind uns erstmal um den Hals gefallen, weil wir uns ja auch fast 6 Monate nicht gesehen haben. Am Abend sind wir zu einem Food Market in Muizenberg gegangen, dort gab es super leckeres Essen, alles das, was es in Ruanda eben nicht gibt.

 

Soweit erstmal, sonst wird‘s zu lang. Der nächste Beitrag ist primär über unsere Reise IN Südafrika.

 

Bis bald

Eure Amelie