Von Weihnachten und dem Beginn einer wundersamen Reise in die „Mother City“

Blogbeitrag 5:

Lang ist‘s her, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe… gefühlt jedenfalls. Dazwischen war Weihnachten, Silvester und Neujahr und bei mir ist in der Zeit so einiges passiert. Ich versuche mich kurz zu fassen, aber kann natürlich für nichts garantieren :).

Weihnachten:

Weihnachten habe ich in einer sehr großen Gruppe gefeiert. Selbstverständlich mit meiner WG, mit Linus, Letizia und Anna (von Artefakt aus den ländlichen Gegenden Ruandas), Jakob und Franz (auch Artefakt aber aus Jinja/Uganda). Am 24. Dezember haben wir mittags gemeinsam angefangen zu kochen. Es gab Gemüsesticks von Anna, leckeren Zitronenkuchen von Jakob und Franz, Bratäpfel von Letizia, Spätzle, Rahmsoße und Ofengemüse von mir und eine Menge seelische Unterstützung vom Rest. Nach einem langen Kochgang und darauffolgendem gemeinsamen Essen gab es zuerst drei verschiedene Weihnachtsgeschichten. Die Tiere im Wald, Loriot und die richtige aus der Bibel, dann Bescherung. Das war echt unglaublich witzig, alle Geschenke waren sehr durchdacht und überall steckte ein Witz oder eine gemeinsame Erinnerung dahinter.

Am ersten Weihnachtsfeiertag sind wir dann gemeinsam im Hotel “Heaven” frühstücken gegangen, wirklich sehr zu empfehlen, auch für alle Nachfreiwilligen, die was Schönes suchen. Wir haben uns fast alle für das Weihnachtsbrunch entschieden und uns damit für umgerechnet 25 Euro mal richtig was gegoennt. Von Schokocroissants über Omlette bis hin zu leckerem Fisch gab es eigentlich alles. Mein persönlicher Höhepunkt war der Tisch an dem man sich Omlette, Crepes und Pancakes bestellen konnte. Alles wurde frisch für uns zubereitet und zu guter Letzt konnte man sich sein Gericht noch persönlich verzieren.

Am 26. Dezember haben sich dann alle anderen auf die lange und beschwerliche 40-Stunden-Busreise nach Sansibar gemacht. Ich hatte meine Ruhe und durfte mich mit dem vom Fest übrig gebliebenen Abwasch beschäftigen, an den natürlich keiner mehr gedacht hatte. Nach geschlagenen 2 ½ Stunden Abwaschen war ich erstmal total fertig, habe dann aber angefangen, für meine bevorstehende Reise zu packen.

In einem fremden Land ganz alleine zu sein ist wirklich nichts Schönes und in dieser Zeit habe ich viel darüber nachgedacht was ich hier tue, warum ich das mache und das Heimweh hat mich ein weiteres Mal in dieser kurzen Zeit um Weihnachten übermannt. Ich habe sehr viel mit meinen Eltern und meinem Bruder geskyped, um dem entgegenzuwirken und das hat zum Glück auch funktioniert. Sie haben mich davor gerettet total in Angst und Heimweh unterzugehen.

Am 27. Dezember ging es nachmittags voller Vorfreude endlich los zu meiner eigenen Reise. Mit dem Moto und meinen drei Gepäckstücken absolvierte ich zunächst die anstrengendste Motofahrt meines Lebens… absolut nicht zu empfehlen!!! Am Flughafen angelangt, der erste Schock: “you have no ticket”. Was ist denn jetzt los? Nach einem Besuch im Ticketbüro von Rwandair hatte ich dann doch eins, auch in Papierform, damit durfte ich dann das Flughafengebäude betreten.

Hier ist es nämlich so, dass man – schon bevor man in das Gebäude des Flughafens darf – mehrmals durch Sicherheitschecks muss und ein gültiges Flugticket besitzen muss. Bisschen kompliziert und nervig, aber ich glaube, der Flughafen in Kigali ist der sicherste der Welt.

Nach einem Vier-Stunden-Flug war ich dann in Johannesburg angekommen, so viele weiße Menschen wie dort bei der Passkontrolle hatte ich seit fünf Monaten nicht mehr gesehen. In der Empfangshalle wurde dann ein Bett aus allen meinen Gepäckstücken gebaut und ich habe ein paar Stündchen schlafen können. Früh morgens ging es dann weitere zwei Stunden in der Holzklasse nach Cape Town. Dort sollten mich meine Mitreisenden Romy, Colin und Lena (alle ASC-Freiwillige in Namibia) abholen. Aufgrund der Flugverspätung meines Flugs und kleinen „Kommunikationsproblemen“ haben wir uns leider knapp verpasst und ich war wieder alleine unter so vielen Menschen, gestrandet am Flughafen von Cape Town. Nach weiteren Stunden warten, traf ich die Entscheidung, mir ein Taxi zu nehmen und zu unserem Airbnb in Muizenberg (Stadtteil von Kapstadt) zu fahren – die Adresse hatte mir Romy zum Glück vorher geschickt.

Dort angekommen fand ich ein leeres Haus vor! Die anderen waren, wie ich im Nachhinein erfuhr, in Bo-Kaap, einem Viertel mitten in Cape Town. Nach Sturmklingeln beim Airbnb und Fragen der Nachbarn half mir der nette Taxifahrer irgendwie irgendwas zu finden, wo ich auf die anderen waren konnte. Südafrika ist ja bekanntlicherweise nicht das sicherste Pflaster und “Your safety is our highest priority ma’m” (Aussage des Taxifahrers).

Letztendlich bin ich bei den Nachbarn gegenüber untergekommen, die haben mich sofort supernett aufgenommen und ich habe mich fast fünf Stunden mit der Mutter der Familie unterhalten. Sie hat indische Vorfahren, kommt aus Durban und lebt jetzt mit ihrem Freund und ihren zwei Söhnen in Muizenberg. Sie hat mir von Durban, Südafrika und Indien erzählt und ich ihr von Ruanda, Deutschland und unseren Reiseplänen durch Südafrika. Dann hat sie ein sehr leckeres indisches Curry gekocht und ich durfte mitessen. Irgendwann haben wir zusammen die Vermieterin des Airbnb entdeckt. Die kam, um ihre Katzen zu füttern. Von ihr bekam ich dann einen Schlüssel und konnte ab diesem Moment in das Haus um zu duschen, zu schlafen und das wundervolle Haus zu genießen. Zum Abschied habe ich meiner neuen Freundin noch ein Päckchen ruandischen Kaffee geschenkt, weil siemir erzählt hatte, wie gerne sie Kaffee trinkt.

Ein wenig später sind die anderen dann von ihrem Trip nach Cape Town wiedergekommen und wir sind uns erstmal um den Hals gefallen, weil wir uns ja auch fast 6 Monate nicht gesehen haben. Am Abend sind wir zu einem Food Market in Muizenberg gegangen, dort gab es super leckeres Essen, alles das, was es in Ruanda eben nicht gibt.

 

Soweit erstmal, sonst wird‘s zu lang. Der nächste Beitrag ist primär über unsere Reise IN Südafrika.

 

Bis bald

Eure Amelie

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Eine Reise in den Norden-Ngororero

Am 20.12.2018

“Ein Meeting am Sonntagmorgen? Nee, Danke!” Dachte ich auch zuerst. Als dann raus kam, dass ich ein älteres Ehepaar 10 Tage auf ihrer Reise in einen der ärmsten Distrikte Ruandas begleiten sollte, war ich sofort dabei. Das Ehepaar Müller ist in Deutschland sehr aktiv in einem Partnerschaftsverein, genauer in der Partnerschaft zwischen Alzey-Worms und Ruanda.

Der Verein betreut 11 Schulen in Ruanda, 10 im Distrikt Ngororero und eine im Distrikt Gatsibo. Auf ihrer zehntägigen Reise mussten alle diese Schulen besucht werden, um Projektfortschritte zu begutachten, Grüße aus Deutschland zu überbringen und Geschenke aus Ruanda zu empfangen. Blöd nur, dass beide Müllers kaum Englisch sprechen… zum Glück für mich! Ich sollte sie auf dieser Reise begleiten und bei den Schulbesuchen den Dolmetscher spielen.

Montagmorgens ging es los in Richtung Norden. Angekommen in der kleinen Stadt Ngororero packten wir unser Gepäck in die Räume des einzigen Guesthouses der “Stadt”. Nach einer kurzen Mittagspause ging es los in die erste Partnerschule. Dort wurden wir erst durch die gesamte Schule geführt, dann mit Tänzen, Gesängen und Theaterspielen von einer riesigen Menge Schüler begrüßt. Daraufhin wurden, meines Geschmacks nach viel zu viele, viel zu lange Reden gehalten, die mein Mitarbeiter aus der Jumelage zuerst von Kinyarwanda auf Englisch übersetzte und ich im Folgenden von Deutsch auf Englisch, für die Müllers. Dann wurden von der ruandischen Seite haufenweise Geschenke überreicht, meiner Meinung nach wieder viel zu viele, aber das ist hier eben großer Bestandteil der Kultur. Von deutscher Seite kam dann ebenfalls eine wesentlich kürzere Antwortrede und ebenfalls ein paar kleine Geschenke.

So ging das bis zum folgenden Sonntag täglich. An manchen Tagen besuchten wir sogar zwei Schulen, also zwei Mal das gleiche Programm. Interessanterweise hatte doch jede Schule ihren eigenen Charme und es wurde uns nie langweilig beim Anschauen der Schulen und der Begrüßungstänze.

Am Sonntagnachmittag ging für mich der erste Teil der anstrengenden Reise vorbei und ich kam vollbeladen mit Geschenken zurück in die Wohnung. Im Distrikt hatte sich rumgesprochen, dass ich als Begleitung mitreise und prompt bekam ich auch bei vielen Schulen ein kleines Geschenk. Mal war es ein Korb, mal Kaffee, mal Erdnüsse oder ein großer Obstkorb, über den ich mich am meisten freute.

Nach einem sehr entspannten Abend, mit vielen Runden Doppelkopf mit meinen Mitbewohnern, ging es am nächsten Morgen los zur letzten Schule, in den Distrikt Gatsibo nach Ngarama, an die Schule unserer Freunde von Artefact. Auch hier das gleiche Programm, nur mit dem positiven Nebeneffekt, dass ich mal ein anderes Gesicht sehen durfte als die derer, mit denen ich die gesamte Woche auf engstem Raum verbracht habe. Abschließend, nach einer vierstündigen Rückfahrt nach Kigali, haben die beiden mich zum Essen eingeladen, als kleines Dankeschön, dass ich die Woche dabei war. Ich war überrascht, habe die Einladung aber sehr gerne angenommen.

Am Ende bin ich noch mit den zwei ein paar Kleinigkeiten einkaufen gegangen und wir hatten in der Jumelage ein Abschlussmeeting, indem wir die Erkenntnisse der vergangenen Woche zusammenfassten und mit unseren zwei Direktoren darüber diskutierten, welche Projekte als nächste realisiert werden sollen. Leider werden viele der Schulen nicht so von der Schule und dem Distrikt gepflegt, wie man sich das wünscht, oder verfallen Aufgrund von anderen Gegebenheiten. Deshalb waren einige Teile der Gebaeude sehr heruntergekommen, Regenrinnen fehlten oder Böden waren aufgebrochen. Diese Dinge müssen jetzt von den Partnern repariert bzw. finanziert werden um weiterhin eine hochwertige Bildung gewährleisten zu können. Ausserdem wachsen die Schülerzahlen an so vielen Schulen, sodass die Schlaf- und Klassenraumkapazität nicht ausreicht, hier müssen dringend neue Schlaf- und Klassenräume her.

Dann habe ich mich von den beiden, die mir in der kurzen Zeit, mit ihrer lockeren und witzigen Art sehr ans Herz gewachsen sind, verabschiedet, und sie sind zurück nach Deutschland geflogen.

Obwohl diese Woche auch sehr anstrengend war, durfte ich so unglaublich viel von Ruanda sehen, wie ich es ohne diese Reise nie hätte sehen können. Da waren die Tee- und Kaffeplantagen, unglaublich viele verschiedene Menschen, die traditionellen Tänze, 1000 Hügel, Armut und Reichtum zur selben Zeit. Wir sind in die entlegensten Winkel gefahren, mussten zu einer Schule laufen, weil die Straße dann doch irgendwann aufhörte. Ich würde nicht sagen, dass das am A.d.W. war, aber man konnte ihn mit Sicherheit von dort aus sehen!

Auf dieser Reise ist mir ein weiters Mal aufgefallen, wie wichtig Bildung ist und wie wichtig diese Partnerschaft mit Rheinland-Pfalz für Ruanda ist, die große Bedeutung, die sie für die ländliche Bevölkerung, besonders für die Schulbildung der Kinder hat.

Von der Schönheit Ruandas könnt ihr euch in den Bildern überzeugen, nicht umsonst heißt es “Land der tausend Hügel”.

Damit verabschiede ich mich in den Weihnachtsurlaub, es geht nach Kapstadt. Dort werde ich fast alle der Namibia und Suedafrika ASC-Freiwilligen treffen, wir verbringen zusammen Silvester in der „Mother City“ und werden danach noch ein paar Tage die Garden Route entlangfahren.

In diesem Sinne eine gesegnete Weihnachtszeit und ein frohes neues Jahr 2019!

 

Ganz liebe Grüße

Eure Amelie

Komm wir gehen auf Safari!

Lagebericht:

Blogbeitrag 3     am 04.11.2018

Ich bin am heutigen Tag etwas länger im Büro geblieben, um mit meiner lieben Familie zu skypen und die Wäsche zu waschen. Wir haben hier nämlich den Luxus einer Waschmaschine. Jetzt regnet es seit einer Stunde so heftig, dass ich zuerst weder den Ton des Skypegesprächs hören konnte, noch jetzt auch nur einen Schritt vor die Tür machen kann, ohne innerhalb von Sekunden bis zur Unterwäsche nass zu sein – noch dazu ist es eiskalt und dunkel. Damit genug vom Sommer-Sonne-Afrika-Klischee für heute.

 

Wie bereits angekündigt gibt es hiermit einen Beitrag über unseren Besuch im Akagera National Park.

 

Ganz kurzfristig haben Pauline und ich eine Fahrt in den Nationalpark organisiert. Sowohl Ali, der Fahrer von der Jumelage, als auch unsere Freunde von Artefact hatten am geplanten Wochenende Zeit. Dabei waren Freddy, Jakob, Pauline (ASCler und meine Mitbewohner) und Linus, Letitia und Antonia (Artefactler vom Land/Ngarama und Janja). Also ging es Samstag morgens um 10:00 Uhr von Kigali aus los, nach Osten in Richtung Park. Ali kennt (gefühlt) jede einzelne Straße in ganz Ruanda und war deshalb eine super Begleitung für uns. Gegen 15:00 Uhr kamen wir in dem Camp an in dem wir übernachten sollten, dort wurde erst einmal zu Mittag gegessen. Dann sind Jakob, Pauline, Linus und ich auf Abenteuer-/Fototour gegangen. Das war superschön, da auf der Anhöhe auf der das Camp lag, kaum etwas los war und die wenigen Locals, die wir angetroffen haben, haben sich über uns gefreut und erstaunt Fotos von uns gemacht. Sie haben die schöne Ruhe nicht wie sonst mit dem typischen „muzungu, give me money“ gestört. Bei der Fotosession kam folgendes raus:

 

Abends haben wir eine sehr überteuerte Mixed Plate, bestehend aus Reis, Bohnen, Kartoffeln, Fleisch und Soße gegessen. Später noch über Gott, die Welt, wichtige Meilensteine der deutschen Geschichte und den bevorstehenden Tag geredet. Wir alle sind früh in unsere Zelte verschwunden, da wir am nächsten Morgen um 5:30 Uhr aufbrechen wollten.

 

Am nächsten Morgen durften wir nach einer kurzen Katzenwäsche einen wünderschönen Sonnenaufgang über dem Park genießen. Nach einem einfachen, vor allem aus African Tea (Schwarztee mit Ingwer, Milch und Zucker) bestehenden Frühstück ging es los auf Safari. Ab hier lasse ich die Bilder für sich sprechen.

 

 

 

Vielen Dank auch dieses Mal fürs Lesen bzw. Bilder anschauen!

Ich hoffe, dass ich die Eindrücke, die ihr durch mich von Ruanda bekommt, möglichst vielfältig gestalten kann und es nicht nur das Land in Ostafrika bleibt, in dem es immer warm und sonnig ist und nie regnet.

 

Beim nächsten Mal wird es um den Sports 4 Peace Workshop gehen, den Pauline und ich größtenteils organisiert haben.

 

Bis bald

Eure Amelie

Von Bettwanzen, Krankenhausbesuchen und Babykatzen

So, ich melde mich mal wieder aus Ruanda!

 

Vorab die Klärung von zwei Begriffen, die ich in meinem letzten Beitrag erwähnt und nicht erklärt habe.

  1. Die Jumelage (aus franz. „Städtepartnerschaft“) ist mein Arbeitsplatz und das Koordinationsbüro der Landespartnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda. Im Büro gibt es verschiedene Abteilungen, die Schulabteilung, die Sozialabteilung und die Bauabteilung. Alle Abteilungen haben die Aufgabe, Projekte deutscher Partner und Partnerschulen in Ruanda zu betreuen und zu überwachen.
  2. „Motos“ sind die Motorradtaxen, die wir als Transportmittel nutzen. Sehr kostengünstig, ein bisschen aufregend und vor allem zeitsparend.

 

 

 

Und jetzt zur Geschichte…

 

Inzwischen ist das Leben hier schon fast normal geworden. An die nur manchmal funktionierende Dusche, den nur manchmal (aber zuverlässiger als die Dusche) funktionierenden Wasserhahn draußen, die Toilette und eine etwas einfachere Ernährung gewöhnt man sich. Oder wie mein Papa immer zu sagen pflegt: „Der Mensch ist das anpassungsfähigste Lebewesen der Welt, man gewöhnt sich an alles.“

 

Die Arbeit läuft super. Ich habe einiges zu tun, aber Franz sorgt dafür, dass Pauline und ich ab und zu das Büro verlassen und außerhalb von Kigali ein Projekt besuchen können. Das letzte Mal waren wir in einem kleinen Ort im Westen in der Nähe des Kivu-Sees, dort war es wunder-, wunderschön aber eben auch echt ländlich. Wir haben zwei verschiedene Schulen besucht.

 

An der einen Schule soll ein Raum eigerichtet werden, in dem sowohl Schüler als auch Lehrer auf das Internet zugreifen können, natürlich zu Bildungszwecken. An der anderen Schule haben wir die neugebauten Schlafsäle des Internats angeschaut. Auch dort haben wir den Raum mit den Laptops und dem Internet angesehen. Als dieser für die Schüler eröffnet wurde, sind alle reingestürmt und haben sich die Laptops geschnappt und sich erstmal bei Facebook angemeldet. Und da soll nochmal einer sagen, die auf dem Land sind nicht mit der modernen Welt verbunden!

 

Nach einem sehr leckeren Mittagessen ging es dann knapp vier Stunden lang zurück in die Hauptstadt, African Massage (auf einer von Schlaglöchern gespickten Straße einmal durchgeschüttelt werden) inklusive. Unser Fahrer hat uns die ganze Zeit damit aufgezogen, dass wir uns so beschwert haben, es würde so wackeln und schaukeln. Ansonsten läuft die Arbeit soweit gut und der geregelte Tagesablauf ist für mich sehr wichtig.

 

Eine kleine böse Überraschung gab es: Bettwanzen. Ja, ganz üble kleine Viecher in meinem Bett. Zuerst dachte ich, ich hätte viele kleine Mückenstiche, wurde wenig später aber eines Besseren belehrt. Diese Tiere sind nicht gefährlich, übertragen auch keine Krankheiten, saugen einfach nur das Blut ihrer Wirte und hinterlassen dabei üble, kleine, juckende Bisse. Bei der Lösung dieses Problems hatte ich super viel Unterstützung der Jumelage. Von dort habe ich ein neues Bett und eine neue Matratze bekommen. Zwei der hier Arbeitenden sind mit mir ein Insektizid kaufen gegangen und haben mir dann erklärt, was ich machen muss. Wir sind danach zurück ins Büro gefahren, um dort meine Kleidung zu waschen. Bei Bettwanzenbefall muss nämlich der gesamte Raum ausgeräumt, gereinigt und mit dem Insektengift ausgesprüht werden. Außerdem muss die gesamte Kleidung bei 90 Grad gewaschen werden.

 

Diese Hürde war genommen, doch da kam schon die nächste: Eine allergische Reaktion auf das Insektengift. Alle Symptome passten auf Malaria, also gings ab in die Poliklinik, um einen Bluttest zu machen. Ging schnell, keine Malaria, ich sollte mich schonen und ein paar Tage später ging es mir wieder gut.

 

Da ich schon beim Thema Tiere bin, mache ich gerade mal mit der allgemeinen Hausbevölkerung weiter. Nein, damit sind nicht meine liebenswerten Mitbewohner gemeint, wobei die sich das eine oder andere Mal ähnlich wie unsere tierischen Vorfahren verhalten.

 

Gemeint sind die Kakerlaken, Geckos und Kätzchen die unter uns wohnen. Kakerlaken? Hört sich ja erstmal sehr ekelig an, sind aber sehr faszinierende Tiere und ersetzen das Katzenfutter für unseren Kater Ingo, welches es momentan in keinem der Supermärkte zu kaufen gibt. Apropos Ingo (benannt nach unserem Chef in Göttingen): Er ist Vater geworden. Vater von drei niedlichen kleinen Kätzchen, die haargenau so aussehen wie er selber.

 

Außerdem haben wir in den letzten Wochen noch mehr Tiere gesehen, wir waren im Akagera Nationalpark am Wochenende des 22. und 23. September. Wir haben einen Fahrer unseres Büros gemietet, weitere Freiwillige von Artefakt gefragt, ob sie uns begleiten wollen und sind dann Samstagmorgen um 11:00 Uhr gestartet. Hierzu wird es noch einen extra Beitrag geben, der vor allem aus Bildern bestehen wird. Momentan gibt es aber leider ein kleines Problem mit dem Hochladen der Bilder. Dazu also später mehr!

 

 

Inzwischen komme ich so langsam aber stetig auf das Sportpensum, was ich brauche. Meine Eltern haben mir schon ein kleines Carepaket mit vielen nützlichen Dingen zukommen lassen u.a. ein Rope Skipping Seil, welches ich jetzt alle zwei Tage für ein HIIT Workout nutze.

 

Montags haben Pauline und ich drei Sportstunden zu leiten, mitmachen motiviert die Schüler sehr. Außerdem ist es ziemlich witzig, Kinderspiele wie „Feuer, Wasser, Sturm“, Parteiball, Fangspiele oder allgemein Ballspiele mal wieder selber mitzumachen. Das ist wirklich anstrengender als man denkt!

 

Dienstag gehe ich Abends immer, sofern es nicht regnet, Beachvolleyball spielen. Das ist eine wirklich tolle Sache und genau das, was ich denke und der ASC Göttingen verkörpert. Sport verbindet Menschen, egal aus welcher Kultur, welchem familiären Umfeld und aus welcher Nation sie kommen. Dienstagabends treffen sich Menschen aus dem Iran, Burundi, Kamerun, Frankreich, den USA, Ruanda, um nur ein paar zu nennen, und spielen zusammen Volleyball. Und dann ist es egal, ob ehemalige Nationalspieler, Hobbyspieler oder komplette Anfänger zusammenspielen. Es ist einfach immer witzig und man lernt so viele unterschiedliche Menschen kennen!

 

Donnerstags treffe ich mich mit einer Mitfreiwilligen von Volunta, Johanna. Wir gehen nach der Arbeit zusammen joggen. Das ist hier finde ich nicht so einfach, was vor allem an den stark mit Autos, LKWs und Motorrädern befahrenen Straßen liegt. Während man sich in Deutschland Gedanken über Euro 6d macht, bekommt man hier gefühlte Euro 1 Emissionen um die Nase geblasen. Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe müsste man ganz Kigali zur autofreien Zone erklären. Naja, soweit zum Thema doppelte Standards oder dem Niveau, auf dem wir in Deutschland jammern.

 

Ok, das war jetzt mal nicht übertrieben, joggen hier ist – wie schon gesagt – eine etwas schwierigere Angelegenheit. Ganz zu schweigen von den vielen Hügeln und den Menschen für die es ein Wunder ist, dass weiße Mädchen sich sportlich betätigen und die uns anfeuern als wären wir in dem Lauf unseres Lebens bei Olympia.

 

Aber: mein Plan beim Kigali-Marathon auf der halben Strecke zu starten, lebt immer noch!

 

Was ich außerdem noch plane zu tun ist jeden Sonntag zum Ultimate Frisbee Training zu gehen, das mir von einem Amerikanischen Mitvolleyballspieler empfohlen wurde. Das hat bis jetzt leider noch nicht geklappt, da ich irgendwie jeden Sonntag auf Achse bin.

 

So auch diesen Sonntag: Ruanda bekommt Besuch von der Rheinland- Pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die Vorbereitungen im Büro auf diese wichtige Delegation laufen auf Hochtouren und die Hauptaufgabe von uns Freiwilligen ist es momentan, möglichst viele Jobs zu übernehmen um zu gewährleisten, dass die zwei Chefs keinen Herzinfarkt erleiden. Geplant sind drei Ausstellungen, die alle von Frau Dreyer eröffnet werden sollen, politische Gespräche und diverse Projektbesuche in der nahen Umgebung.

 

Wir Freiwillige wurden außerdem gebeten, bei den Festlichkeiten anlässlich des 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, mitzuhelfen. Am 2. Oktober (das Datum ist durchaus sehr verwirrend) gingen wir in die Residenz des Boschafters und halfen beim Häppchen vorbereiten, Gitenge Servietten (ruandischer Stoff) verteilen und Kellnern. Währenddessen durften wir natürlich auch selber von den Delikatessen kosten. Es gab so viele Dinge, auf die wir in den letzten zwei Monaten verzichten mussten: Allgäuer Bergkäse, Sprudelwasser, Leberkäse, Schnitzel, Laugengebäck, Apfel- und Streuselkuchen und vieles mehr.

So viel von mir. Der Beitrag war jetzt etwas länger, aber es gab ja auch viel zu erzählen.

Vielen Dank fürs lesen, ich melde mich bald wieder!

Einen guten Start in die kühle Jahreszeit in Deutschland wünscht euch

Eure Amelie

Erster Eintrag aus Ruanda

Jetzt sind wir also in Ruanda!

 

Nach den ersten zehn Tagen ist das immer noch total unwirklich! Die ersten Tagen haben wir im Humble Guesthouse geschlafen und hatten damit eine sehr weiche Landung in Kigali. Hanna und Anna die zwei Freiwilligen aus dem letzten Jahrgang haben sich direkt um uns gekümmert. Hanna ist an unserem ersten Morgen ins Gueshouse gekommen und hat Chapati ( in Öl gebratene Teigfladen) und Mandazi(süße, frittierte Teigbällchen), Avocado und Maracujas mitgebracht. Die haben wir mit großem Vergnügen verspeist. Hanna hat die zwei Jungs mit zu deren Projekt mitgenommen, Anna kam etwas später und hat Pauline und mir Kigali gezeigt. Am Abend sind wir dann das erste Mal in die Wohnung nach Kimisagara gefahren. Das war auch unsere erste richtige Fahrt mit den Motos…Sehr spannend. Dort haben wir unseren ersten Abend verbracht und waren alle ziemlich erdrückt von all den Eindrücken. Später ging es mit den Motos zurück zum Guesthouse da wurden vor die erste Challenge gestellt: um einen einigermaßen gerechten Preis verhandeln und sich dann auf der Fahrt bestmöglich auf dem Moto zu halten.
Am nächsten Tag gab es ein ähnliches Programm. Pauline und ich wurden in unserer Projektstelle, der Jumelage, als„die Neuen“ vorgestellt. Der erste Eindruck vom Büroteam war super und hat sich bis jetzt immer wieder bestätigt. Später fuhren wir mit Hanna auf den großen Markt nach Kimironko. Dort haben wir weitere Eindrücke bekommen, den Stoffe und Kleidermarkt gesehen und  natürlich auch einen Einblick in den Lebensmittel/ Fruchtmarkt bekommen… Das Angebot ist unfassbar groß. In den folgenden Tagen haben wir die Zeit genutzt um uns so gut es geht in der kurzen Zeit etwas einzugewöhnen. Am Montag waren Pauline und ich das erste Mal im Büro, wurden vorgestellt und haben unsere erste kleine Aufgabe bekommen. Gegen Mittag sind wir vollständig in die Wohnung umgezogen. Am Abend hatten Pauline und ich einen Besuch in der Residenz des deutschen Botschafters und seiner Familie. Bereits am vergangenen Freitag hat uns Anna, die in ihrem Jahr hier in Ruanda dort auf deren Labradore aufgepasst hat, mit den beiden bekannt gemacht. Es werden auch für dieses Jahr wieder zwei gesucht, die auf die Hunde aufpassen, wenn die Familie nicht Zuhause ist. Da sage ich doch nicht Nein! Montags war die Phönix Foundation, eine Jugendjazzgruppe aus Rheinland-Pfalz dort und hat ein Konzert gegeben, Pauline und ich haben gekellnert. Die Musiker sind echt super witzige Leute, und wir haben sie in den folgenden Tagen noch ab und zu einmal getroffen.
Dienstag sind wir zu unserem ersten Projektausflug gefahren. Es ging 2,5 Stunden in Richtung  Nordwesten, die Fahrt haben wir genutzt um zu staunen, wie anders Ruanda außerhalb von Kigali aussieht. In der Nähe der Virunga Vulkane kamen wir bei dem Projekt an. Es handelte sich hierbei um ein Projekt der Bauabteilung der Jumelage, bei der Pauline und ich zu dem Zeitpunkt waren. Zwischen den vielen Tee und Kaffeplantagen wurden bei einer Schule neue Klassenräume gebaut. Auf der Rückfahrt fuhren wir durch Orte, wo nicht so häufig weiße Leute hinkommen. Da wurde uns ein weiteres Mal bewusst, was für eine außerordentliche Stellung wir als „muzungus“ hier teilweise haben… Man fällt eben einfach auf.
 Mittwoch war Feiertag und wir haben den neu angekommenen Volunta Freiwilligen ein bisschen die Stadt gezeigt und waren auf dem großen Markt einkaufen.
Am folgenden Tag kam dann ein ganz großer Batzen Arbeit auf uns zu, die Visums Unterlagen beschaffen und ausfüllen. Puh, war das eine schwere Geburt! Wir haben fast den ganzen Arbeitstag gebraucht um irgendwelche Anträge, Lebensläufe, Abizeugnisse, Verträge, etc. zu übersetzen und zusammen zu packen.
Am Freitag mussten wir zum Glück erst um zehn ins Büro. Alle Volunta und ASC Freiwilligen hatten dort ein Meeting mit Franz, unserem „Boss“ (er mag es nicht, wenn man ihn so nennt). Er tut wirklich alles um uns einen möglichst seichten Start in unser Leben hier zu ermöglichen. Das macht er auch wirklich super gut! Abends waren wir dann noch gemeinsam, als WG im Fitnessstudio.
Das Wochenende nutzen wir jetzt um unsere Wohnung ein bisschen auf Vordermann zu bringen, zu waschen und ein bisschen WG Time zusammen zu verbringen.
Außerdem werden wir Dank des hohen Anteils an Badenern und Schwaben Spätzle machen.
Hier die ersten Eindrücke, es werden mehr folgen, sobald ich das System von WordPress durchschaut habe…
Ich vermisse meine Familie und meine Freunde in Deutschland natürlich sehr, aber mit ein paar habe ich schon geskyped und die modernen sozialen Medien bieten sehr gute Möglichkeiten um mit jeglichen Menschen am anderen Ende der Welt Kontakt zu halten.
Das wärs bis jetzt einmal, ich hoffe ihr habt einen kleinen Eindruck davon bekommen, was ich hier so mache bzw. von den Bildern wie es hier so aussieht.
An dieser Stelle noch vielen, vielen Dank an unsere lieben Vorfreiwilligen, dass ihr uns hier so viel gezeigt habt, hat uns allen den Einstieg extrem erleichtert!
Ich melde mich dann wieder, wenn es etwas interessantes zu melden gibt, bis dahin danke fürs lesen und bis bald☺️
Eure Amelie
P.S: Da die Frage so oft kam, Nein, wir haben keine Zeitverschiebung! Und Afrika ist ein Kontinent! Daher kann ich nicht für ganz Afrika die Aussage treffen ob es da schön wäre…Ruanda aber ist sehr schön😉