Von Bettwanzen, Krankenhausbesuchen und Babykatzen

So, ich melde mich mal wieder aus Ruanda!

 

Vorab die Klärung von zwei Begriffen, die ich in meinem letzten Beitrag erwähnt und nicht erklärt habe.

  1. Die Jumelage (aus franz. „Städtepartnerschaft“) ist mein Arbeitsplatz und das Koordinationsbüro der Landespartnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda. Im Büro gibt es verschiedene Abteilungen, die Schulabteilung, die Sozialabteilung und die Bauabteilung. Alle Abteilungen haben die Aufgabe, Projekte deutscher Partner und Partnerschulen in Ruanda zu betreuen und zu überwachen.
  2. „Motos“ sind die Motorradtaxen, die wir als Transportmittel nutzen. Sehr kostengünstig, ein bisschen aufregend und vor allem zeitsparend.

 

 

 

Und jetzt zur Geschichte…

 

Inzwischen ist das Leben hier schon fast normal geworden. An die nur manchmal funktionierende Dusche, den nur manchmal (aber zuverlässiger als die Dusche) funktionierenden Wasserhahn draußen, die Toilette und eine etwas einfachere Ernährung gewöhnt man sich. Oder wie mein Papa immer zu sagen pflegt: „Der Mensch ist das anpassungsfähigste Lebewesen der Welt, man gewöhnt sich an alles.“

 

Die Arbeit läuft super. Ich habe einiges zu tun, aber Franz sorgt dafür, dass Pauline und ich ab und zu das Büro verlassen und außerhalb von Kigali ein Projekt besuchen können. Das letzte Mal waren wir in einem kleinen Ort im Westen in der Nähe des Kivu-Sees, dort war es wunder-, wunderschön aber eben auch echt ländlich. Wir haben zwei verschiedene Schulen besucht.

 

An der einen Schule soll ein Raum eigerichtet werden, in dem sowohl Schüler als auch Lehrer auf das Internet zugreifen können, natürlich zu Bildungszwecken. An der anderen Schule haben wir die neugebauten Schlafsäle des Internats angeschaut. Auch dort haben wir den Raum mit den Laptops und dem Internet angesehen. Als dieser für die Schüler eröffnet wurde, sind alle reingestürmt und haben sich die Laptops geschnappt und sich erstmal bei Facebook angemeldet. Und da soll nochmal einer sagen, die auf dem Land sind nicht mit der modernen Welt verbunden!

 

Nach einem sehr leckeren Mittagessen ging es dann knapp vier Stunden lang zurück in die Hauptstadt, African Massage (auf einer von Schlaglöchern gespickten Straße einmal durchgeschüttelt werden) inklusive. Unser Fahrer hat uns die ganze Zeit damit aufgezogen, dass wir uns so beschwert haben, es würde so wackeln und schaukeln. Ansonsten läuft die Arbeit soweit gut und der geregelte Tagesablauf ist für mich sehr wichtig.

 

Eine kleine böse Überraschung gab es: Bettwanzen. Ja, ganz üble kleine Viecher in meinem Bett. Zuerst dachte ich, ich hätte viele kleine Mückenstiche, wurde wenig später aber eines Besseren belehrt. Diese Tiere sind nicht gefährlich, übertragen auch keine Krankheiten, saugen einfach nur das Blut ihrer Wirte und hinterlassen dabei üble, kleine, juckende Bisse. Bei der Lösung dieses Problems hatte ich super viel Unterstützung der Jumelage. Von dort habe ich ein neues Bett und eine neue Matratze bekommen. Zwei der hier Arbeitenden sind mit mir ein Insektizid kaufen gegangen und haben mir dann erklärt, was ich machen muss. Wir sind danach zurück ins Büro gefahren, um dort meine Kleidung zu waschen. Bei Bettwanzenbefall muss nämlich der gesamte Raum ausgeräumt, gereinigt und mit dem Insektengift ausgesprüht werden. Außerdem muss die gesamte Kleidung bei 90 Grad gewaschen werden.

 

Diese Hürde war genommen, doch da kam schon die nächste: Eine allergische Reaktion auf das Insektengift. Alle Symptome passten auf Malaria, also gings ab in die Poliklinik, um einen Bluttest zu machen. Ging schnell, keine Malaria, ich sollte mich schonen und ein paar Tage später ging es mir wieder gut.

 

Da ich schon beim Thema Tiere bin, mache ich gerade mal mit der allgemeinen Hausbevölkerung weiter. Nein, damit sind nicht meine liebenswerten Mitbewohner gemeint, wobei die sich das eine oder andere Mal ähnlich wie unsere tierischen Vorfahren verhalten.

 

Gemeint sind die Kakerlaken, Geckos und Kätzchen die unter uns wohnen. Kakerlaken? Hört sich ja erstmal sehr ekelig an, sind aber sehr faszinierende Tiere und ersetzen das Katzenfutter für unseren Kater Ingo, welches es momentan in keinem der Supermärkte zu kaufen gibt. Apropos Ingo (benannt nach unserem Chef in Göttingen): Er ist Vater geworden. Vater von drei niedlichen kleinen Kätzchen, die haargenau so aussehen wie er selber.

 

Außerdem haben wir in den letzten Wochen noch mehr Tiere gesehen, wir waren im Akagera Nationalpark am Wochenende des 22. und 23. September. Wir haben einen Fahrer unseres Büros gemietet, weitere Freiwillige von Artefakt gefragt, ob sie uns begleiten wollen und sind dann Samstagmorgen um 11:00 Uhr gestartet. Hierzu wird es noch einen extra Beitrag geben, der vor allem aus Bildern bestehen wird. Momentan gibt es aber leider ein kleines Problem mit dem Hochladen der Bilder. Dazu also später mehr!

 

 

Inzwischen komme ich so langsam aber stetig auf das Sportpensum, was ich brauche. Meine Eltern haben mir schon ein kleines Carepaket mit vielen nützlichen Dingen zukommen lassen u.a. ein Rope Skipping Seil, welches ich jetzt alle zwei Tage für ein HIIT Workout nutze.

 

Montags haben Pauline und ich drei Sportstunden zu leiten, mitmachen motiviert die Schüler sehr. Außerdem ist es ziemlich witzig, Kinderspiele wie „Feuer, Wasser, Sturm“, Parteiball, Fangspiele oder allgemein Ballspiele mal wieder selber mitzumachen. Das ist wirklich anstrengender als man denkt!

 

Dienstag gehe ich Abends immer, sofern es nicht regnet, Beachvolleyball spielen. Das ist eine wirklich tolle Sache und genau das, was ich denke und der ASC Göttingen verkörpert. Sport verbindet Menschen, egal aus welcher Kultur, welchem familiären Umfeld und aus welcher Nation sie kommen. Dienstagabends treffen sich Menschen aus dem Iran, Burundi, Kamerun, Frankreich, den USA, Ruanda, um nur ein paar zu nennen, und spielen zusammen Volleyball. Und dann ist es egal, ob ehemalige Nationalspieler, Hobbyspieler oder komplette Anfänger zusammenspielen. Es ist einfach immer witzig und man lernt so viele unterschiedliche Menschen kennen!

 

Donnerstags treffe ich mich mit einer Mitfreiwilligen von Volunta, Johanna. Wir gehen nach der Arbeit zusammen joggen. Das ist hier finde ich nicht so einfach, was vor allem an den stark mit Autos, LKWs und Motorrädern befahrenen Straßen liegt. Während man sich in Deutschland Gedanken über Euro 6d macht, bekommt man hier gefühlte Euro 1 Emissionen um die Nase geblasen. Aus Sicht der Deutschen Umwelthilfe müsste man ganz Kigali zur autofreien Zone erklären. Naja, soweit zum Thema doppelte Standards oder dem Niveau, auf dem wir in Deutschland jammern.

 

Ok, das war jetzt mal nicht übertrieben, joggen hier ist – wie schon gesagt – eine etwas schwierigere Angelegenheit. Ganz zu schweigen von den vielen Hügeln und den Menschen für die es ein Wunder ist, dass weiße Mädchen sich sportlich betätigen und die uns anfeuern als wären wir in dem Lauf unseres Lebens bei Olympia.

 

Aber: mein Plan beim Kigali-Marathon auf der halben Strecke zu starten, lebt immer noch!

 

Was ich außerdem noch plane zu tun ist jeden Sonntag zum Ultimate Frisbee Training zu gehen, das mir von einem Amerikanischen Mitvolleyballspieler empfohlen wurde. Das hat bis jetzt leider noch nicht geklappt, da ich irgendwie jeden Sonntag auf Achse bin.

 

So auch diesen Sonntag: Ruanda bekommt Besuch von der Rheinland- Pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die Vorbereitungen im Büro auf diese wichtige Delegation laufen auf Hochtouren und die Hauptaufgabe von uns Freiwilligen ist es momentan, möglichst viele Jobs zu übernehmen um zu gewährleisten, dass die zwei Chefs keinen Herzinfarkt erleiden. Geplant sind drei Ausstellungen, die alle von Frau Dreyer eröffnet werden sollen, politische Gespräche und diverse Projektbesuche in der nahen Umgebung.

 

Wir Freiwillige wurden außerdem gebeten, bei den Festlichkeiten anlässlich des 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, mitzuhelfen. Am 2. Oktober (das Datum ist durchaus sehr verwirrend) gingen wir in die Residenz des Boschafters und halfen beim Häppchen vorbereiten, Gitenge Servietten (ruandischer Stoff) verteilen und Kellnern. Währenddessen durften wir natürlich auch selber von den Delikatessen kosten. Es gab so viele Dinge, auf die wir in den letzten zwei Monaten verzichten mussten: Allgäuer Bergkäse, Sprudelwasser, Leberkäse, Schnitzel, Laugengebäck, Apfel- und Streuselkuchen und vieles mehr.

So viel von mir. Der Beitrag war jetzt etwas länger, aber es gab ja auch viel zu erzählen.

Vielen Dank fürs lesen, ich melde mich bald wieder!

Einen guten Start in die kühle Jahreszeit in Deutschland wünscht euch

Eure Amelie

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