Eine Reise in den Norden-Ngororero

Am 20.12.2018

“Ein Meeting am Sonntagmorgen? Nee, Danke!” Dachte ich auch zuerst. Als dann raus kam, dass ich ein älteres Ehepaar 10 Tage auf ihrer Reise in einen der ärmsten Distrikte Ruandas begleiten sollte, war ich sofort dabei. Das Ehepaar Müller ist in Deutschland sehr aktiv in einem Partnerschaftsverein, genauer in der Partnerschaft zwischen Alzey-Worms und Ruanda.

Der Verein betreut 11 Schulen in Ruanda, 10 im Distrikt Ngororero und eine im Distrikt Gatsibo. Auf ihrer zehntägigen Reise mussten alle diese Schulen besucht werden, um Projektfortschritte zu begutachten, Grüße aus Deutschland zu überbringen und Geschenke aus Ruanda zu empfangen. Blöd nur, dass beide Müllers kaum Englisch sprechen… zum Glück für mich! Ich sollte sie auf dieser Reise begleiten und bei den Schulbesuchen den Dolmetscher spielen.

Montagmorgens ging es los in Richtung Norden. Angekommen in der kleinen Stadt Ngororero packten wir unser Gepäck in die Räume des einzigen Guesthouses der “Stadt”. Nach einer kurzen Mittagspause ging es los in die erste Partnerschule. Dort wurden wir erst durch die gesamte Schule geführt, dann mit Tänzen, Gesängen und Theaterspielen von einer riesigen Menge Schüler begrüßt. Daraufhin wurden, meines Geschmacks nach viel zu viele, viel zu lange Reden gehalten, die mein Mitarbeiter aus der Jumelage zuerst von Kinyarwanda auf Englisch übersetzte und ich im Folgenden von Deutsch auf Englisch, für die Müllers. Dann wurden von der ruandischen Seite haufenweise Geschenke überreicht, meiner Meinung nach wieder viel zu viele, aber das ist hier eben großer Bestandteil der Kultur. Von deutscher Seite kam dann ebenfalls eine wesentlich kürzere Antwortrede und ebenfalls ein paar kleine Geschenke.

So ging das bis zum folgenden Sonntag täglich. An manchen Tagen besuchten wir sogar zwei Schulen, also zwei Mal das gleiche Programm. Interessanterweise hatte doch jede Schule ihren eigenen Charme und es wurde uns nie langweilig beim Anschauen der Schulen und der Begrüßungstänze.

Am Sonntagnachmittag ging für mich der erste Teil der anstrengenden Reise vorbei und ich kam vollbeladen mit Geschenken zurück in die Wohnung. Im Distrikt hatte sich rumgesprochen, dass ich als Begleitung mitreise und prompt bekam ich auch bei vielen Schulen ein kleines Geschenk. Mal war es ein Korb, mal Kaffee, mal Erdnüsse oder ein großer Obstkorb, über den ich mich am meisten freute.

Nach einem sehr entspannten Abend, mit vielen Runden Doppelkopf mit meinen Mitbewohnern, ging es am nächsten Morgen los zur letzten Schule, in den Distrikt Gatsibo nach Ngarama, an die Schule unserer Freunde von Artefact. Auch hier das gleiche Programm, nur mit dem positiven Nebeneffekt, dass ich mal ein anderes Gesicht sehen durfte als die derer, mit denen ich die gesamte Woche auf engstem Raum verbracht habe. Abschließend, nach einer vierstündigen Rückfahrt nach Kigali, haben die beiden mich zum Essen eingeladen, als kleines Dankeschön, dass ich die Woche dabei war. Ich war überrascht, habe die Einladung aber sehr gerne angenommen.

Am Ende bin ich noch mit den zwei ein paar Kleinigkeiten einkaufen gegangen und wir hatten in der Jumelage ein Abschlussmeeting, indem wir die Erkenntnisse der vergangenen Woche zusammenfassten und mit unseren zwei Direktoren darüber diskutierten, welche Projekte als nächste realisiert werden sollen. Leider werden viele der Schulen nicht so von der Schule und dem Distrikt gepflegt, wie man sich das wünscht, oder verfallen Aufgrund von anderen Gegebenheiten. Deshalb waren einige Teile der Gebaeude sehr heruntergekommen, Regenrinnen fehlten oder Böden waren aufgebrochen. Diese Dinge müssen jetzt von den Partnern repariert bzw. finanziert werden um weiterhin eine hochwertige Bildung gewährleisten zu können. Ausserdem wachsen die Schülerzahlen an so vielen Schulen, sodass die Schlaf- und Klassenraumkapazität nicht ausreicht, hier müssen dringend neue Schlaf- und Klassenräume her.

Dann habe ich mich von den beiden, die mir in der kurzen Zeit, mit ihrer lockeren und witzigen Art sehr ans Herz gewachsen sind, verabschiedet, und sie sind zurück nach Deutschland geflogen.

Obwohl diese Woche auch sehr anstrengend war, durfte ich so unglaublich viel von Ruanda sehen, wie ich es ohne diese Reise nie hätte sehen können. Da waren die Tee- und Kaffeplantagen, unglaublich viele verschiedene Menschen, die traditionellen Tänze, 1000 Hügel, Armut und Reichtum zur selben Zeit. Wir sind in die entlegensten Winkel gefahren, mussten zu einer Schule laufen, weil die Straße dann doch irgendwann aufhörte. Ich würde nicht sagen, dass das am A.d.W. war, aber man konnte ihn mit Sicherheit von dort aus sehen!

Auf dieser Reise ist mir ein weiters Mal aufgefallen, wie wichtig Bildung ist und wie wichtig diese Partnerschaft mit Rheinland-Pfalz für Ruanda ist, die große Bedeutung, die sie für die ländliche Bevölkerung, besonders für die Schulbildung der Kinder hat.

Von der Schönheit Ruandas könnt ihr euch in den Bildern überzeugen, nicht umsonst heißt es “Land der tausend Hügel”.

Damit verabschiede ich mich in den Weihnachtsurlaub, es geht nach Kapstadt. Dort werde ich fast alle der Namibia und Suedafrika ASC-Freiwilligen treffen, wir verbringen zusammen Silvester in der „Mother City“ und werden danach noch ein paar Tage die Garden Route entlangfahren.

In diesem Sinne eine gesegnete Weihnachtszeit und ein frohes neues Jahr 2019!

 

Ganz liebe Grüße

Eure Amelie

Ein Kommentar zu „Eine Reise in den Norden-Ngororero

  1. Hallo Amilie
    liebe Grüße aus dem heute sehr verschneiten weißen Eiding.
    Ich find’s super, und vorallem auch sehr bewunderswert, was Du so alles erlebst
    in Ruanda. Helen hat mir im Weihnachtsbrief den Link auf deine Seite geschickt.
    Ich wünsche Dir noch eine erlebnissreiche wunderschöne Zeit im fernen Afrika
    und werd bei Gelegenheit mal wieder reinlesen.

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