Diesmal Uganda: Zwischenseminar in Jinja und Besuch in Kampala

Blogbeitrag 7:

Moin ihr lieben,

Mir geht es weiterhin gut, das kleine Januar/Februar-Emotionstief ist inzwischen doch einigermaßen gut überstanden und ich habe weiteres von Reisen zu berichten.

Aber zuerst muss ich noch eine Sache klarstellen! Ich bin hier nicht nur auf Reisen, sondern meistens Montags bis Freitags von 8:00-17:00 Uhr im Büro. Da passiert aber nicht so viel Spannendes, sodass ich darüber schreiben könnte. Deshalb gibt‘s vor allem Blogberichte von den Reiseerlebnissen.

Am Samstag, den 2. Februar, haben wir uns zu viert auf den Weg nach Jinja, Uganda gemacht. Das bedeutete, um 20:00 Uhr los zum Busbahnhof Nyabugogo und dann erstmal 10 Stunden nicht mehr aus den VIP-Sitzen der Busgesellschaft Modern Coast rühren. Die gesamte Reise hat mich umgerechnet nur 16 Euro gekostet, der Bus war voll und außer uns sind noch zwei amerikanische Muzungus und ca. 20 Ugander und Ruander mitgereist. Angekommen in Kampala haben wir eine kleine Pause eingelegt und sind ein bisschen über den Busbahnhof geschlendert. Dort ist mir schon der erste Unterschied zwischen Uganda und Ruanda aufgefallen. Es ist viel dreckiger und hektischer als in Ruanda. Man sieht viel Müll, vor allem Plastiktüten, was in Ruanda aufgrund des Verbots für Plastiktüten sehr unüblich ist.

Als wir dann weitere zwei Stunden später in Jinja angekommen sind, wussten wir zunächst nicht, was wir tun sollten bzw. wohin wir gehen sollten. Wir hatten ja keine ugandischen SIM-Karten und damit auch kein Internet oder Netzempfang um zu kommunizieren. In einem Internetcafe haben wir dann Kontakt zu Franz (Freiwilliger von Artefakt) aufgebaut, bei dem wir die Tage vor unserem Zwischenseminar wohnen durften. Er hat uns seine Adresse mitgeteilt und wir sind zu ihm gefahren, nachdem wir den Unterschied zwischen Stagebodas, das sind die sicheren und registrierten Motorradtaxis, die man zu jeder Tageszeit nutzen kann, ohne Gefahr zu laufen mit einem betrunkenen Fahrer zu fahren, nicht anzukommen oder gar ausgeraubt zu werden. Die Movingbodas sollte man besser nicht nutzen, die sind nicht registriert und haben sozusagen nichts zu verlieren, sind zusammengefasst gesagt eben unsicherer. Den Unterschied kann man darin ausmachen, dass die Stagebodas an einer Plattform stehen und man dort hingeht und ab dort losfährt, die Movingbodas fahren herum und man kann sie überall zu sich winken und losfahren.

Im Laufe des Tages haben wir zusammen mit Franz Jinja angeschaut und haben eine der Landesspezialitäten, “Rolex” („rolled eggs“; ein Omelette in Chapati gerollt und gefüllt mit Gemüse, Avocado, Fleisch, etc.) gegessen. Später waren wir noch auf dem Markt, der sich, außer seiner Größe, dem riesigen Fleisch- und Secondhandklamottenangebot nur wenig von den Märkten in Kigali unterscheidet. Die Hygiene bei der Fleischlagerung war nach westlichem Ermessen eher grenzwertig, ich fands als Vegetarier echt ekelig. Wenn man um die Ecke läuft und dann liegen da auf einmal  abgetrennte Ziegenköpfe und starren einen mit leeren Augen an oder fünf Meter weiter ein Dünndarm von eben der Zeige, die einen gerade eben angeschaut hat. Aber so ist das hier nun mal, wird ja noch einmal abgekocht.

Die folgenden freien Tage haben wir damit verbracht Jinja anzuschauen, welches aufgrund seiner Nähe zum Nil und zum Viktoriasee sehr touristisch ist. Apropos Nil, da waren wir auch das eine oder andere Mal zum Schwimmen und Rope swingen. Immerhin kann ich jetzt behaupten an der Quelle des längsten Flusses Afrikas bei Sonnenaufgang geschwommen zu sein. Ein sehr schönes Fleckchen Erde! Dafür haben wir sogar die Gefahr Wasserschlagen und Fischen zu begegnen, oder an Bilharziose zu erkranken auf uns genommen. Nilkrokodile gibt es an der Stelle nicht und Schlagen oder sonstigen Wassertieren sind wir auch nicht begenet, den Bilharziosetest werde ich in der kommenden Woche machen und mich gründlich durchchecken lassen.

Wir haben außerdem unsere Jinjafreiwilligen vom ASC besucht und waren bei EWAKA, dem Waisenhaus, das von einer ASC-Freiwilligen, Eva, gegründet wurde und jetzt geleitet wird. Die Erfahrung dort war total klasse! Lucas, der jetzige Freiwillige dort, hat uns mitgenommen, als er mit den Kindern im Nil schwimmen war. Die Kleinen sind unglaublich lieb, total cool drauf und sprechen besser Englisch als die meisten Ruander. Im Anschluss waren wir Freiwilligen im “Nile River Explorers Camp” gemeinsam essen und konnten uns über das vergangene halbe Jahr ausführlich austauschen.

Am 6.02. hat das Zwischenseminar angefangen und wir vier haben uns morgens auf den Weg ins Hotel gemacht. Das Hotel war verhältnismäßig echt gut und sauber, das Essen war auch super. Der Service war etwas langsam, aber das sind wir ja inzwischen schon gewohnt. Auf dem Weg dahin haben wir auch schon Eva, Jonas, Ingo und Flo getroffen und das war total seltsam, nach einem halben Jahr wieder die Leute zu treffen, die einen in Deutschland ausgewählt und für unser Abenteuer in Ostafrika vorbereitet haben. Wir haben uns alle super gefreut! Die Vorfreude auf die kommende Woche wuchs und war spätestens an einem Höhepunkt, als wir den großen Pool der Hotelanlage entdeckten und uns eine “Entspannungspause“ (vom Urlaub…) gönnten.

Während des Seminars haben wir viele Dinge besprochen, die uns Freiwillige bewegt haben und was wir einfach noch loswerden wollten, haben politische und historische Themen der jeweiligen Einsatzländer behandelt,  Themen wie Rassismus, Muzungu Momente, die uns doch alle irgendwie beschaeftigen und viel über den “weltwärts” Freiwilligendienst geredet. Alles das hat mir sehr viele Denkanstöße gegeben und es war einfach toll, sich mit allen austauschen zu können und zu sehen, dass es auch andere Leute mit den selben Problemen und Erlebnissen gibt.

Auch die Zeit, die wir außerhalb des Seminars hatten, wurde viel genutzt um sich auszutauschen und zu diskutieren. Ich glaube so viel habe ich seit langem nicht mehr diskutiert!! Über denn Sinn eines solchen Weltwärtsjahrs, wie wir mit der Kritik am weltwärts Programm umgehen, über die ruandische und tansanische Bevölkerung und ihren Umgang mit Religion und Gott, und, und, und.

Ich glaube, wir waren alle etwas traurig, als das Zwischenseminar dann doch nach 5 Tagen vorbei war. Aber auch voller Vorfreude auf das nächste halbe Jahr in das wir jetzt voller neuer Energie und Ideen starten können.

Meine drei Mitbewohner sind abends schon nach Kigali zurückgereist, während ich mit den Freiwilligen aus Bukoba, Tansania noch ein paar Tage nach Kampala gefahren bin.

Kampala war eine tolle Erfahrung und die zweite ostafrikanische Großstadt, die ich erleben durfte. Total anders als Kigali, hektisch, etwas gefährlicher, dreckig, voller Abgase aber gleichzeitig auch spannend, vielfältig, modern, zum Teil westlich und fortgeschritten. Ich bin doch immer wieder froh in Kigali wohnen zu dürfen, hier hat alles eine schon fast westliche Ordnung, die Kriminaltitätsrate ist viel geringer und verglichen mit Kigali ist Kampala eine einzige Müllhalde. Aber letztendlich hat doch alles seinen Sinn und funktionert.

Wir waren auf dem weltbekannten, riesigen Markt, in der Acacia Mall und der Ugandan National Mosque. Dort habe ich viel über den Islam und über Kampala gelernt. Kampala ist auf sieben Hügeln erbaut und hat seinen Namen aus der Kolonialzeit. Damals campten (KAMP) die Kolonialherren nämlich auf dem Hügel, auf dem besonders viele Impalas (-ALA) lebten, deshalb KAMPALA. Nach und nach wurden die anderen sechs Hügel besiedelt, die heute das Zuhause von 1,6 Millionen Menschen bilden.

Dann ging es auch schon bald mit Ingo und Flo in Richtung Kigali, wo die beiden uns für ein paar Tage besuchten, sich unsere Projekte anschauten, mit unseren Projektmanagern redeten und uns zum Essen einluden. Auch das war eine sehr schöne Zeit und wir waren sehr traurig, als wir die beiden nach Bukoba am Viktoriasee in Tansania weiterziehen lassen mussten.

 

Bis dahin!

Bald mehr von meiner Besteigung des 12. höchsten Berges des afrikanischen Kontinents.

 

Viele liebe Grüße

Eure Amelie

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