Weitere Reisen, zu Besuch im wundervollen Bukoba

Bogbeitrag 9:

Da bin ich mal wieder! Heute berichte ich von meinem Besuch in Bukoba/Tansania am Victoriasee, elend langen Busfahrten und vielen lachenden Kindern.

Am Samstag den 23. März habe ich mich mit meinen zwei Mitbewohnern Freddy und Jakob auf den langen Weg nach Bukoba gemacht. Um 4:00h morgens ging es am Busbahnhof Kigali-Nyabugogo los, in einem dieser kleinen Fernbusse, die zu Tausenden täglich durch Ruanda fahren. So früh morgens in einem Bus zu sitzen, dessen Fahrer nicht nur alle 2 Kilometer anhält, um neue Mitreisende einzuladen, sondern auch das Radio laut aufdreht und zu Kirchenmusik mitsingt und beim Anhalten andere Busse zuparkt, welche einen dann anhupen und grausam aus dem Schlaf reißen, ist alles andere als eine angenehme Art zu reisen.

Aber damit nicht genug. In Tansania angekommen mussten wir ein Taxi nehmen, das uns von der Grenze zum nächstgelegenen Busbahnhof in Benaco bringt. Das war verglichen mit der vorausgegangenen und der bevorstehenden Fahrt eine einzige Wohltat (Der Taxifahrer ist durchgefahren, ohne einmal zu halten!) und hat uns zu dritt umgerechnet nur knapp acht Euro gekostet. Den gleichen Preis bezahlten wir nochmal pro Person für die Fahrt im Bus und Dalla Dalla (Minibus) bis nach Bukoba. Der Bus in Tansania war ja mal eine Erfahrung…

Zuerst eine Beschreibung der Strecke. Bukoba liegt etwas nordöstlich von Kigali. Die erste Annahme war also, wir fahren in den Norden, dann über die Grenze und dann ist es nicht mehr weit. Ja blöd, dass der Akagera National Park (Big Five!) uns da einen Strich durch die Rechnung macht, denn der liegt quer zur gedachten Fahrtrichtung.

Von Kigali muss man erst in den Südosten zur tansanischen Grenze in Rusumo fahren, was etwa 5 bis 6 Stunden dauert. Ab dort, wie beschrieben mit dem Taxi zum nächsten Bus, mit dem dann Ewigkeiten, Hoechstgeschwindigkeit von 20 km/h und natürlich – wer hätte es gedacht – total überfüllt, durch zwei Game Reserves bis nach Karagwe und ab dort mit dem Dalla Dalla nach Bukoba. Das beansprucht eine Reisezeit von etwa 12-14 Stunden und viele Nerven.

So reist man hier eben: Nicht besonders reizvoll, aber dafür super, super günstig. Für die Hin- und Rückfahrt habe ich jeweils etwa 14 Euro gezahlt und war umso glücklicher als wir endlich angekommen waren.

In Bukoba wurden wir sofort super freundlich und herzlich von den ASC-Freiwilligen aufgenommen. Ich habe mich sofort wie Zuhause gefühlt. In den 1 ½ Wochen, in denen wir dort waren, haben wir v.a. die Projekte der vier besucht und – so viel es ging – mitgemacht. Besonders beeindruckend und schön war für mich die Schule Mugesa Viziwi, an der Linnea und Paul Sport- und Englischunterricht geben. Das Besondere ist, dass an dieser Schule nur Gehörlose und Hörgeschädigte Kinder unterrichtet werden. Paul und Linnea beherrschen die Gebärdensprache mittlerweile einwandfrei. Ich selber wusste am Anfang nicht, wie ich kommunizieren sollte, hatte ein bisschen Angst, konnte nur meinen Namen buchstabieren und ein Bier bestellen… nicht besonders nützlich.

Aber es ist gar nicht so schwer und die Kinder sind sehr nachsichtig, wenn man etwas mal nicht versteht oder falsch deutet. Es hat mir jedes Mal als wir an der Schule waren solchen Spaß gemacht und ich bin immer mit einem Lächeln auf den Lippen und glücklichen Gedanken auf dem Boda (Motorradtaxi) zurückgefahren.

 

Die anderen beiden Einsatzstellen, an denen Jana und Lennard (die anderen beiden) sind, dürfen natürlich auch nicht zu kurz kommen!

Die zwei sind an einer Schule für Kinder mit körperlicher oder geistiger Behinderung und Kindern mit Albinismus. Warum Kinder mit Albinismus? Hab ich mich am auch gefragt, das sind ja ganz normale Kinder, die einfach nur weiß sind und vielleicht ein wenig schlechtere Augen haben als andere.
Tansania gilt als das Land mit den meisten Albinos weltweit. Knapp 200.000 Menschen leben mit einem Gendefekt, der verhindert, dass ihr Körper Melanin und somit Farbpigmente produziert. Sie sind blass, noch weißer als wir, haben ebenso wie die lokale Bevölkerung kurze krauselige Haare und volle Lippen, aber sie sind nun mal weiß.

In manchen Teilen Ostafrikas entstand vor Jahren der Aberglaube, dass ein Gebräu aus den Knochen, Haaren, der Haut, den Genitalien, Augen oder Ohren zu Reichtum und Glück führe. Aus diesem Grund gibt es immer noch Gruppen, die Albinos jagen um ihre Körperteile an sog. Zauberer und Medizinmänner verkaufen, welche daraus dann Tränke brauen und wiederum teuer verkaufen. Hört sich an wie aus einem Horrorfilm, ist aber leider wahr.

Aus Schutzgründen leben diese weißen Kinder zusammen mit den anderen Kindern und können denen bei ihren täglichen Schwierigkeiten helfen. Die Zustände in dieser Schule sind nicht die besten, umso beeindruckender fand ich es, wie glücklich die Kinder alle sind und wie viel Lebensfreude sie ausstrahlen. Wie sehr sie sich freuen, wenn wir mit ihnen spielen, wenn Lennard und Jana Musik mitbringen und sie dazu tanzen.

Vor meinem Jahr in Ruanda hatte ich immer ein ungutes Gefühl, vielleicht sogar Angst, sobald ich im Kontakt mit Menschen mit Behinderung war. Das ist wie weggeblasen! Vor einem Jahr hätte ich mir nie vorstellen können, dass ich so mit Behinderten oder auch Gehörlosen interagieren kann. Man wächst mit seinen Erfahrungen!

Die zweite Schule, an der Lennard und Jana sind, ist ein Zentrum für Straßenkinder. Das Ziel der Organisation ist es, die Kinder auf ihr späteres Leben vorzubereiten und im besten Fall wieder in die Familie einzugliedern, die sie weggeben hat.

Ein riesiges Gelände mit vielen Nutztieren, Äckern, Bananenstauden, Mango- und Avocadobäumen, das ein Zuhause für etwa 150-200 ehemalige Straßenkinder bietet. Auch hier wieder total toll, die Freude auf den Gesichtern zu sehen, beim Tanzen, Volleyball- und Fußballspielen. Natürlich ist hier auch nicht immer alles Friede-Freude-Eierkuchen. Viele Kinder haben Traumata von ihrer Zeit auf der Straße, manche haben sichtbare und unsichtbare Narben von alten Wunden, die immer auf ihre Vergangenheit verweisen und wahrscheinlich nie verschwinden werden.

Ich habe jedenfalls sehr viel Respekt vor dem, was die vier Freiwilligen dort leisten, wie gut sie Swahili und Gebärdensprache können, wie viel sie den Kindern an Liebe, Spaß und Aufmerksamkeit geben, bin aber auch ein bisschen neidisch auf die Einsatzstellen. Aber das Gras ist ja immer grüner auf der anderen Seite.

 

Damit erstmal genug von meinem ersten Besuch, im folgenden Artikel wird es um die Dinge gehen, die wir neben den Schulbesuchen gemacht haben.

 

Bis bald und herzlichen Dank fürs lesen!

Eure Amelie

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