Von Sandstürmen, Naturpools und Kulturschocks

Blogbeitrag 11:

Ich bin zurück aus Namibia und die letzten 40 Tage meines Aufenthalts hier in Ruanda sind angebrochen. So schön Namibia auch sein mag: Ich bin super froh, zurück in meiner zweiten Heimat zu sein, in meinem eigenen Bett zu schlafen, in meiner sauberen Wohnung zu leben.

Ich hätte nie gedacht, dass ich den namibischen Boden noch einmal betreten würde. Für mich war es, anders als für meine zwei Mitbewohner Jakob und Pauline, bereits das dritte Mal in diesem schönen Land. Im November äusserte Jakob nebenbei, er hätte “auch mal noch Bock Namibia zu sehen”. Ich war begeistert, Pauline hatte auch Lust und eine Woche später war der Flug gebucht.

Nach einer langen Reise nach Windhuk, die zwei Flüge und einen 7 Stunden kalten, langen, nächtlichen Aufenthalt am Johannesburger Flughafen beinhaltete, sind wir samstagmittags endlich in der ASC-WG in Windhuk angekommen. Dann ging‘s los in die Innenstadt, SIM-Karten und Internet kaufen. Durch Zufall entdeckten wir in einer Mall eine kleine Food Fair. Dort haben wir uns durch die ganzen Probierstaende gearbeitet und die Angebote ausgenutzt. Am Abend habe ich meine vegetarische Ernährung ausnahmsweise ausgesetzt und in dem – bei Touris sehr bekannten – „Joe‘s Beerhouse“ mit den anderen leckeres Wildfleisch gegessen (Oryx, Kudu, Springbok, Zebra und Krokodil (!)).

Am nächsten Morgen ging‘s ins Township Katutura. Dort haben wir ein traditionelles Gericht der Namibier probiert: Kapana (Rindfleisch vom Grill) mit scharfem Gewürz, Tomatensalat, Maisbrei und Brötchen. Gegen Mittag fuhren wir mit dem 7- Sitzer Shuttle los zu unserem Zuhause für die nächsten zwei Wochen: Walvis Bay, einem kleinen Ort an der namibischen Atlantikküste. Dort durften wir netterweise bei den zwei ASC Freiwilligen Romy (mit der ich in Cape Town war) und Fyn schlafen.

Montags startete das typische Programm, das man bei Freiwilligenbesuchen immer macht: Projekte besuchen. Die zwei sind neben ihrer Tätigkeit als Lehrer an einer Schule im Township Kuisebmond auch als Fußball-Coach (Romy) und Rugby-Coach (Fyn) unterwegs. Sie geben fast jeden Nachmittag Training für Kinder aus Kuisebmond. Beim Training war ich in den zwei Wochen jedes Mal dabei und habe unterstützt, mitgemacht und zugeschaut. Es hat jedes Mal wirklich total Spaß gemacht. Romys Fußballmädels muss man einfach liebhaben und auch Fyns Rugby Kinder sind super süß.

Eine große Herausforderung war für Pauline und mich der erste Supermarktbesuch in Walvis Bay. Ich war – nicht übertrieben – die letzten 3 Monate nicht mehr in einem Supermarkt zum Einkaufen. In Ruanda kaufe ich eigentlich alles, was ich brauche, auf der Straße oder in den kleinen Shops am Straßenrand. Auch davor war ich, wenn ich einkaufen war, eben “nur” im Simba Supermarkt in Kigali, der lange nicht so groß und ausladend ist, wie jeder Supermarkt, den ich in Namibia betreten habe. Wir kamen durch die Tür und wurden erstmal von einem riesigen Obst und Gemüse Angebot überwältigt. Weiter gab es mit Milchprodukten, Getränken, Brot, einfach alles.

Hört sich für euch vielleicht etwas komisch an, ich kann‘s auch nicht ganz beschreiben, aber wir waren wirklich überfordert mit dem Einkauf. Das war wohl schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf Deutschland. Nachdem wir den ersten kleinen Schock überwunden hatten, haben wir uns dann doch an dem westlichen Einkaufsangebot bedient und uns richtig was gegönnt, nach unserer Einstellung jedenfalls… Äpfel (für einen normalen Preis), 3kg Orangen, Käse, griechischen Jogurt (!), Birnen und salzige Butter, die zur Abwechslung mal keinen käsigen Nebengeschmack hatte.

Das war zwar toll, wirklich! Aber ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin auch froh, wieder hier einfach in den Gemüseladen gegenüber zu gehen und zu schauen, was da ist und auf den Tisch kommt. Bei der geringeren Auswahl muss man sich nicht richtig entscheiden, es wird quasi für einen entschieden.
Am Mittwoch begannen wir auf einen Roadtrip durch die schöne Landschaft Namibias. Der gemietete Renault Duster (in Deutschland ein Dacia) war bis zum Platzen vollgestopft mit Campingausrüstung, Isomatten, Zelten und unserem sehr klein gehaltenen Gepäck. Unser erstes Ziel war das Namib Naukluft Gebirge, genauer das Naukluft Camp des NWR (Namibian Wildlife Resorts). Es war ein super Gefühl einfach so loszufahren, in die endlose Weite und Ödlandschaft dieses Landes. Romy und ich teilten uns die 5-stündige Fahrt, weil diese Schotterpisten mit ihren Rillen, Schlaglöchern und dem Sand teilweise sehr schwer zu befahren sind.

Angekommen im Camp bauten wir schnell unser Nachtlager auf. Zum Glück hatten wir Wurfzelte, da dauerte es nicht so lange. Dann wurde gebraait (gegrillt) und Salat zubereitet. Nach einem sehr leckeren und qualitativ hochwertigen Mahl legten wir uns gleich in die Zelte, es war ja immerhin schon eine Weile dunkel.

Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem kurzen, aber sehr leckeren Frühstück auch schon auf den Weg zu unserer Tagesbeschäftigung, einem Wandertrail durch die Berge. Der Waterkloof Trail ist ein 17 km langer Trail, über den wir im Internet gelesen hatten, dass er nur für sehr fitte und wandererfahrene Menschen ist. So schlimm wie es klang war’s echt nicht. Wir waren wie immer alle nur in leichten Laufschuhen unterwegs, die letztendlich ganz schön durch das Geröll gelitten haben. Auf dem Weg, den wir auf der Suche nach Wegmarkierungen an einigen Stellen um ein paar Kilometer verlängerten, kamen wir an verschiedenen landschaftlichen Höhepunkten vorbei. Neben den wunderschönen, klaren Naturpools, den Tierkadavern, den felsigen Abgründen und Steilwänden, liefen wir auch einige Kilometer auf Leopardenspuren und kletterten, wieder auf der Suche nach dem Weg irgendwo am Berg herum. Es war wirklich wunderschön, die 17 km fühlten sich kurz an und wir beendeten unseren Hike mit einem Bad in einem der schönen Naturpools (das Wasser des Naukluft Parks wird interessanterweise auch in Flaschen abgefüllt und als Trinkwasser verkauft). Besonders toll war, dass wir die ganze Zeit alleine waren.

Zurück im Camp stiegen wir ins Auto und machten uns auf die 2-stündige Fahrt zu einem der Touri-Höhepunkte Namibias: Sossusvlei, genauer ins Sesriem Camp. Dort im Dunkeln angekommen wurden auch nur noch die Zelte aufgeworfen und ganz fix etwas gekocht. Als wir dann im Zelt lagen und unsere Wecker auf 5:45h stellten, waren wir überrascht, doch noch neun Stunden Schlaf vor uns zu haben. Wenn man kein Licht hat und es schon dunkel wird, bleibt einem eben nichts anderes übrig als schlafen zu gehen. In der Nacht zog ein starker Ostwind auf, der Folgen hatte.

Als wir uns am nächsten Morgen auf den Weg zum Sossusvlei machten, war es noch stockdunkel und der Wind hatte sich wider Erwarten noch nicht gelegt. Romy, Jakob und ich kämpfen uns die Düne “Big Daddy” bei einem Sandsturm hoch, das kann man sich nicht vorstellen! Dafür waren wir auch die ersten und einzigen, die diese Strapazen auf sich nahmen J. Danach kam erstmal keiner, der so verrückt war wie wir. Oben angekommen, hatten wir Sand in jeglichen Kleidungs- und Körperritzen, waren verschwitzt, unsere Kohlehydratspeicher waren leer gesaugt. Wir hatten unüberlegterweise am Abend zuvor nach der langen Wanderung nur Gemüse gegessen und am Morgen nicht gefrühstückt und waren dementsprechend etwas kaputt. Hatten aber das berauschende Gefühl, oben auf diesem Sandhaufen zu stehen, kein anderer Mensch in Sichtweite, nur eine Antilopenherde, die in einem der Täler vorbeizog. Nach einer Rast auf der Spitze der Düne, die durch den aggressiven Sandsturm relativ kurz gehalten wurde, rannten wir die riesige Düne geradeaus runter und erreichten binnen weniger Minuten das Deadvlei am Fuß der Düne. Dort trafen wir auf die ersten Touris, die sich die anstrengende Besteigung gespart hatten und mit ihren Spiegelreflexkameras und Teleobjektiven jeden Zentimeter der auf der Salzpfanne stehenden toten Bäume ablichteten.

Was ich da beschreibe mag für manche etwas unklar sein, auf den unten zu sehenden Bildern wird das Ganze – glaube ich – etwas klarer.

Zurück am Auto frühstückten wir erstmal, gönnten uns im Camp noch ein Eis und fuhren dann zurück ins Naukluft Camp um dort einen weiteren Nachmittag in den Naturpools zu verbringen und eine Nacht zu schlafen, bevor es am nächsten Tag zurück an die Küste ging.

Zur Abwechslung konnten wir hier mal das Abendessen bei Helligkeit zubereiten und die letzten Strahlen der Sonne zum Kartenspielen nutzen. Am nächsten Morgen fuhren wir relativ früh los nach Solitaire, wo es angeblich den besten Apfelkuchen in der Wüste gibt. Dort haben wir unser Frühstück gehalten und uns die unglaublich nervigen deutschen Touristen angeschaut, die in Busladungen vorbeikamen, von jedem Sandkorn Bilder machten und ihren Apfelkuchen “To Go” gekauft haben.

Bewertung des Apfelkuchens: Ja, war gut! Kann sich aber in der Benchmark-Liste weit hinter dem meiner Mama und meiner Oma einordnen, die sind um Welten besser!!!

Zurück an der Küste haben wir der wohl deutschesten Stadt außerhalb Deutschlands, Swakopmund, einen Besuch abgestattet und waren im Museum. Außerdem habe ich Peter vom „Cornerstone Guesthouse“ sein iPod-Ladekabel zurückgebracht, das er uns vor zwei Jahren geliehen hatte (mit einem Familienfoto von uns als Bonus). Er war leider nicht da, aber die Frau an der Rezeption sagte „He loves these stories“. Zufällig haben wir auch einen großen Teil der Namibia ASC Freiwilligen getroffen, die den freien, heißen Wintertag am Strand verbracht haben. Der vorher schon erwähnte Ostwind sorgt nämlich dafür, dass die heiße Luft aus der Wüste an die Küste weht und es kommt, im sonst ziemlich kalten namibischen Winter zu sommerlich heißen Temperaturen.

In der restlichen Zeit haben wir einfach die Zeit mit Romy und Fyn genossen, sie in ihre Projekte begleitet und die Küstenstadt erkundet. Am Freitag mussten wir nach Windhuk zurück, um am Samstagmittag unseren Flug nach Kigali zu nehmen. Der Rückflug war trotz unserer Zwischenstopps in Johannesburg und Lusaka einiges angenehmer als die Hinreise.

So, das war’s mit dem letzten Urlaubsbericht. Ich danke euch für’s Lesen und Bilder anschauen.

Bald geht es nach Deutschland zurück, ich freue mich schon wirklich sehr, aber ich glaube es wird super komisch nach einem Jahr wieder zurück zu kommen.

Bis zum nächsten, wahrscheinlich letzten Mal!

Eure Amelie

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